Zwei Priesterweihen in Osnabrück, keine in Hildesheim: Der katholischen Kirche gehen die Pfarrer aus

Katholische Priester dringend gesucht

„Die Gesellschaft trägt es nicht mehr mit“: Geistliche auf dem Weg von der Sakristei in den Dom in Osnabrück. Foto:  dpa.

Hildesheim/Osnabrück. In Niedersachsen gibt es so wenige katholische Priester wie noch nie in der Geschichte. Schon in den vergangenen Jahren mussten in den Domstädten Hildesheim und Osnabrück Gemeinden zusammengelegt werden.

Bei Andachten, Gesprächen mit Gläubigen und sogar Beerdigungen übernehmen vermehrt Laien die Rolle der Geistlichen. „Den ehrenamtlichen Laien wächst mehr Verantwortung zu“, sagte der Sprecher des Bistums Hildesheim, Michael Lukas.

In den Gemeinden der Bischofsstadt Hildesheim werden von acht Pfarrern in zwei Jahren voraussichtlich nur noch drei im Amt sein. 1997 taten in dem Bistum, das sich über den Osten Niedersachsens erstreckt, 376 Pfarrer aktiv Dienst, 2010 waren es nur noch 221. Einen Priestermangel gibt es auch im Bistum Osnabrück, das 185 aktive Priester zählt. „Wir gehen einer ganz neuen Gestalt der Kirche entgegen“, sagte Ulrich Beckwermert, der verantwortlich für die Priesterausbildung des Bistums ist.

Debatte um Zölibat

Seit Jahren verlieren die großen christlichen Kirchen Mitglieder. Für den Priestermangel in der katholischen Kirche dürfte auch der Zölibat verantwortlich sein - also die Verpflichtung zur Ehelosigkeit. Über diese Frage könne jedes Bistum nicht für sich entscheiden, sagte Beckwermert. „Aber die Frage ist da. Das wird viel stärker thematisiert als noch vor Jahren.“

Galt Pfarrer früher als ehrenwerter Beruf, werden die Priesteranwärter heute entgeistert angeschaut, wenn sie von ihren Plänen berichten. „Die Gesellschaft trägt es nicht mehr mit“, sagt Beckwermert. Das Bistum Osnabrück verzeichnete 2011 zwei Priesterweihen, Hildesheim keine, in diesem Jahr kommt voraussichtlich jeweils ein neuer Priester hinzu. Im Oldenburger Land gibt es noch gut 100 Priester im aktiven Dienst, Tendenz sinkend. „Wenn keine Trendwende kommt, können wir in 20 Jahren zu den Hochfesten wie Weihnachten und Ostern keine Festgottesdienste mehr sicherstellen“, sagte Peter Waschinski von der Bischöflichen Pressestelle Vechta.

Die evangelische Kirche, in der Pastoren heiraten dürfen, hat dagegen genügend Nachwuchs. 2012 gab es etwa 1900 Pastoren in der Landeskirche Hannovers, zehn Jahre zuvor waren es 2035. „Der Grund des leichten Rückgangs liegt jedoch nicht am Nachwuchsmangel, sondern am Sparkurs der Landeskirche“, sagte Sprecher Johannes Neukirch. (lni)

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