Europäische Union streicht Agrarsubventionen: Kein Geld für Stierkämpfe

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Tod in der Arena: Jährlich sterben 30 000 Stiere in Spaniens Stierkampfarenen.

Die Europäische Union will Agrarsubventionen streichen, die in Spanien bei Bullenzüchtern landen.

Brüssel/Madrid. Inoffiziell ist er das Wahrzeichen Spaniens: der Stier. Seit zwei Jahren gehört das Töten der Tiere sogar zum offiziellen Kulturgut des Landes. 30.000 Bullen kommen jährlich in den Arenen zu Tode - durch die Hand der Matadore (zu Deutsch der Schlächter). Und die Europäische Union unterstützt die Milliardenindustrie kräftig mit Agrarsubventionen.

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Das soll sich nun ändern. „Es muss sichergestellt sein, dass die Stierkampfzucht nicht von diesen Geldern profitieren darf“, forderte der Europaabgeordnete Sven Giegold gestern gegenüber unserer Zeitung. Dafür konnte er vergangene Woche eine Mehrheit im Europäischen Parlament gewinnen. Noch gilt es allerdings eine weitere Hürde zu überwinden.

Denn damit dies im Haushalt für das kommende Jahr berücksichtigt wird, braucht es die Zustimmung der Mitgliedsstaaten. Doch die spanische Regierung unter Mariano Rajoy verteidigt das archaische Spiel. Bislang sind den Bullenzüchtern in Spanien jährlich circa 130 Millionen Euro zugekommen, wie eine spanische Studie ergab. Etwa 1400 Landwirte, die beim Züchterverband UCTL registriert sind, profitieren davon.

Interesse bei Touristen 

Darauf ist die Branche inzwischen auch angewiesen, denn die Besucherzahlen sind in den vergangenen Jahren stark gesunken, eine Umfrage ergab bereits 2009, dass 72 Prozent der Spanier kein Interesse mehr an dem blutigen Spektakel haben. Die immer noch guten Einnahmen kommen vor allem durch die Touristen zusammen.

Dennoch haben bislang nur zwei spanische Regionen, die kanarischen Inseln sowie Katalonien, den Kampf in der Arena verboten. Eine Studie der Universität in Salamanca ergab, dass 20 Prozent der Tiere vor der Begegnung mit ihrem Matador unter Drogen gesetzt werden. Auch die illegale Praxis, den Stieren die Hörner abzuschleifen oder zu sägen, wobei Nerven freigelegt werden, wird weiter angewandt.

Doch mit europäischem Recht lässt sich gegen den Stierkampf nur schwer vorgehen. Nach dem Subsidiaritätsprinzip obliegt es der spanischen Regierung, den Stierkampf zu erlauben oder zu verbieten. Für eine Klage wegen Verletzung der Tierschutzrichtlinie bräuchte das Europäische Parlament eine absolute Mehrheit - eine hohe Hürde, so Giegold.

Doch auch unter den Spaniern selbst regt sich inzwischen Widerstand: Einige Städte wollen per Volksentscheid darüber abstimmen lassen, ob in ihren Arenen künftig noch Stiere getötet werden dürfen. In der Hauptstadt setzte die linke Bürgermeisterin Manuela Camena schon mal ein Zeichen: Der für sie reservierte Platz in der berühmten Arena Las Ventas blieb leer.

Von Mirjam Moll

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