Kein gutes Zeugnis für Hessens Schüler beim Ländervergleich

Frankfurt. Hessens Schüler können im Ländervergleich nicht punkten. Sie sind nicht gut in Mathe und in den Naturwissenschaften. Für die Gewerkschaft liegt der Fehler im System: Die Kinder hätten zu wenig Zeit zum Lernen.

Ein bundesweiter Ländervergleich stellt Hessens Schülern kein gutes Zeugnis aus. Sie landen im Vergleich zu anderen Länder in den Naturwissenschaften und Mathematik im unteren Bereich. Ein weiteres Ergebnis: Ostdeutsche Schüler sind weitaus leistungsstärker als die meisten ihrer westdeutschen Altersgenossen, wie nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus dem neuen Schulleistungsvergleich der Bundesländer hervorgeht.

„Ich wundere mich nicht über die Ergebnisse“, sagte der Landeschef der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Jochen Nagel, am Freitag in Frankfurt. Das Schulwesen in Hessen sei chronisch unterfinanziert. „Wir brauchen mehr Geld und auch mehr Zeit für qualifizierte Bildung.“ Flächendeckend müsse es eine Rückkehr zu G9 geben. Außerdem sollte das Ganztagesangebot an den Schulen ausgebaut werden, damit gerade im Hinblick auf Fächer wie Mathe und die Naturwissenschaften die Kinder ihre Neigungen entwickeln können.

Die noch amtierende Landesregierung hat es den Schulen im Land freigestellt, sich zwischen der achtjährigen und der neunjährigen Gymnasialzeit zu entscheiden. Viele Eltern in Hessen beklagen aber, dass es in ihren Regionen kein G9-Angebot gibt.

Nach dem Ländervergleich erzielen im Westen durchgängig nur Bayern und Rheinland-Pfalz Leistungswerte, die statistisch bedeutsam über dem Bundesdurchschnitt liegen, im Einzelfall auch Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Im Osten sind es alle Bundesländer.

Der neue Schulleistungsvergleich wird an diesem Freitag offiziell von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin vorgestellt. Beteiligt waren über 44.000 Schüler aus den neunten Klassen aller Schulformen. Mitarbeiter des ländereigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität hatten dafür im Mai und Juni 2012 mehr als 1300 Schulen besucht.

Basis für die Aufgaben waren die von den Kultusministern für alle Bundesländer verbindlich eingeführten Bildungsstandards. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll und gelten für Lehrer als pädagogische Zielvorgabe. Damit wurden die alten, in den Bundesländern unterschiedlichen Lehrpläne an den Schulen abgelöst. (dpa)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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