Defilibratoren können Leben retten

Nach Notfall im Zug: Warum hat die Bahn keine Defis an Bord?

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Würzburg. Kürzlich im Zug von Würzburg nach Kassel: Ein Mann sackt zusammen. Ein Defibrillator ("Defi") hätte schnelle Hilfe bedeutet, doch die Bahn verzichtet auf die Geräte. Warum?

Ein Arzt war in der Situation zufällig im Zug. Gemeinsam mit Passagieren wurde der Mann über 20 Minuten reanimiert.

Der Herzstillstand kommt im Regionalzug kurz hinter dem Würzburger Bahnhof. Dem Mann, dessen Herz dort plötzlich im Abteil versagte, hätte mit einem Defibrillator vielleicht schneller geholfen werden können, mutmaßen die Passagiere im Nachhinein. Alles Hypothese. Ob der Mann letztendlich überlebte, ist ebenfalls unklar. Dieser Fall wirft allerdings die Frage auf, warum in Zügen und Bahnhöfen der Deutschen Bahn bei täglich europaweit zehn Millionen Reisenden kein Gerät zu finden ist, das bei einem Herzstillstand den entscheidenden Stoß zurück ins Leben geben könnte.

Jedes Jahr sterben in Deutschland laut verschiedenen Statistiken über 100 000 Menschen den plötzlichen Herztod. Das sind mehr Menschen als durch Autounfälle tödlich verunglücken. Gesetzliche Richtlinien gebe es in Deutschland keine, dass Defibrillatoren an bestimmten Orten zu stehen haben, sagt Friedrich Nölle, Vorsitzender des Vereins Definetz.

Der Verein mit Sitz in Hamm hat 12 000 Defibrillatoren in Deutschland aufgelistet und die Standorte für jeden auf der Homepage zugänglich gemacht. Deutschlandweit gibt es nach Angaben vom Verein Definetz wohl 30 000 Geräte. Auch große gemeinnützige Vereine wie die Johanniter setzen sich dafür ein, dass es mehr Geräte an öffentlichen Plätzen oder auch bei der Deutschen Bahn gibt.

Während beispielsweise bei Fluglinien wie der Lufthansa und an Flughäfen Defibrillatoren Standard sind, hat sich die Bahn dagegen entschieden: Man habe den Einsatz von automatisierten externen Defibrillatoren (AED) - auch als Laien-Defis bekannt - in den Zügen intensiv geprüft, teilte eine Bahn-Sprecherin mit. Allerdings habe man kein sinnvolles Einsatzkonzept erstellen können. Bei einem Herzstillstand müsse der AED innerhalb der ersten fünf Minuten zum Einsatz kommen, sagte die Sprecherin. Das sei wegen der langen Züge schwierig.

In Bahnhöfen hätten einige Pachtbetriebe diese Geräte aber inzwischen. „Ein flächendeckendes Vorhalten von Defibrillatoren an Bahnhöfen ist im Moment aus überwiegend technischen Gründen nicht vorgesehen“, heißt es von der Bahn-Sprecherin weiter. Vandalismus und Witterungseinflüsse könnten eine sichere Anwendung nicht garantieren.

Nicht überzeugend findet Friedrich Nölle vom Verein Definetz das Zeit-Argument im Zug. Man könnte mehr Geräte bereitstellen, sagt er.

Gegen das Vandalismus-Argument spricht das Beispiel der Münchener U-Bahn. Dort sind die 100 U-Bahnhöfe mit Defis ausgestattet - finanziert durch Spenden. Vandalismus oder technische Probleme sind dort nicht bekannt, wie Sprecher Matthias Korte von der Münchener Verkehrsgesellschaft mitteilte. 20 Menschen konnten in den vergangenen zehn Jahren so gerettet werden.

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