Südhessen bremsen Einführung von landesweit gültigen Fahrkarten aus

Kein Herz für Singles

Steffen Müller

Kassel. In Hessen wird es keinen Singletarif für das so genannte Länderticket geben, mit dem Reisende einen Tag lang zum Festpreis mit Bus und Bahn quer durch das gesamte Land fahren können. Im Gegensatz zu allen Nachbarländern gibt es das Ticket in Hessen nur zum Gruppentarif für 30 Euro. In Nachbarländern fahren Singles dagegen schon ab 19 Euro einen Tag lang so weit und so oft sie wollen mit Bahnen und Bussen im Regionalverkehr.

Und dieses Missverhältnis wird nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), der das Hessenticket für Gruppen gemeinsam mit dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) und dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) anbietet, auch so bleiben. Der RMV nämlich fürchtet „massive Einnahmeverluste“ bei Einführung eines Singletarifs unter 30 Euro, so Pressesprecherin Petra Eckweiler. Denn dann würde das Hessenticket für allein Reisende in Konkurrenz zur Tageskarte für das gesamte RMV-Gebiet treten. Die kostet zwar nur 26 Euro. Diese Summe aber fließt komplett in die RMV-Kasse. Die Einnahmen aus dem Hessenticket - egal ob für Gruppen oder Singles - würden unter den drei beteiligten Verkehrsverbünden aufgeteilt, sagt Eckweiler. Folge: Der RMV hätte weniger in der Kasse. Er könne derzeit sowieso schon nur 54 Prozent seiner Kosten erwirtschaften. Den Rest decke die öffentliche Hand. Weitere Einnahmeverluste könne man sich nicht leisten. Der NVV sieht für sein Gebiet weniger Probleme bei der Einführung eines Singletarifs für das Hessenticket, sagt Pressesprecher Steffen Müller. „Wir sind derzeit in Gesprächen mit dem RMV“, sagt er, kurzfristig aber erwartet auch er keine Lösung zugunsten der Singles.

Die Einführung eines Singletarifs für Hessen fordert jetzt die Rathausfraktion der Grünen in Kassel gemeinsam mit der SPD. „Angesichts der erwarteten und gewünschten Mobilität ist es zwingend notwendig, auch für allein Reisende dieses attraktive Angebot für den öffentlichen Personennahverkehr in Hessen zu schaffen“, sagt Gernot Rötz, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Rathaus-Fraktion, in einer Pressemitteilung.

Von Tilman Sanner

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