CDU/FDP-Krisengipfel wie heute in Berlin gibt es bei der Koalition in Hannover nicht

Keine Angst vorm Kentern

Gutes Zusammenspiel: Ministerpräsident David McAllister gab für die Regierungsmannschaft beim Drachenbootfahren den Takt an. Das Boot kenterte – für die CDU/FDP-Koalition sei das kein schlechtes Omen, sagte McAllister. Foto: dpa

Hannover. Giftpfeile gegen Beschlüsse der Bundesregierung schießt Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) eigentlich nie ab. Richtig aufregen kann er sich aber über das Auftreten seiner schwarz-gelben Koalitionsfreunde im Bund, über Intrigen, über Durchstechereien. „Können die in Berlin-Mitte nicht mal ihre Klappe halten“, stöhnt der 41-Jährige dann und gibt den Ratschlag: „Die sollen sich mal ein Beispiel an uns in Hannover nehmen.“

Seit neun Jahren führt das Bündnis aus CDU und FDP die politischen Geschäfte. Bei der Landtagswahl am 20. Januar 2013 soll es zu einer Fortsetzung reichen. Beide Seiten vermeiden zwar konkrete Koalitionsaussagen, machen aber keinen Hehl daraus, dass ein Partnertausch überhaupt nicht in Frage kommt. Wie McAllister singt FDP-Chef und Umweltminister Stefan Birkner das hohe Lied auf Schwarz-Gelb. „Diese Konstellation hat dem Land gut getan, das wollen wir fortsetzen.“

Mit ihrem weitgehend reibungslosen Zusammenspiel wollen die Koalitionäre im Landtagswahlkampf punkten, schwarz-gelbe Stabilität gegen wacklige rot-rot-grün-piratige Aussichten ausspielen. Streit hat in dem 2003 vom Ministerpräsidenten Wulff (CDU) und dem Wirtschaftsminister Hirche (FDP) geschmiedeten Bündnis Seltenheitswert; Kritik an den Ressortchefs der anderen Seite gilt als Tabu.

Als die FDP-Fraktion vor einem Jahr einen Zehnpunkte-Plan für ein humaneres Flüchtlingsrecht präsentierte, ließ Innenminister Uwe Schünemann (CDU) erklären: „Auf meinem Schreibtisch gibt es einen Stapel. Da kommt das Papier ganz nach unten.“ Die Liberalen schäumten, schwiegen aber lieber. Einige Monate später waren doch einige Punkte umgesetzt, so die Residenzpflicht für Asylbewerber gelockert.

Krisengipfel, wie heute in Berlin mit den Parteivorsitzenden Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Philipp Rösler (FDP), sind in Hannover nicht nötig. Jeden Dienstag vor der Kabinettssitzung frühstückt der Koalitionsausschuss: die Parteivorsitzenden sowie die Fraktionschefs Björn Thümler (CDU) und Christian Dürr (FDP). Die verschwiegene Runde räumt Knackpunkte geräuschlos beiseite. „Wir schmeißen keine Tassen aus dem Fenster, sondern lösen das Problem freundschaftlich“, sagt Finanzminister Hartmut Möllring (CDU).

Das entspannte Klima fußt auf langjährigen politischen, auch persönlichen Freundschaften. So saßen McAllister und Birkner in den 90-er Jahren während ihres Jura-Studiums in Hannover im Studentenparlament.

Die Klausurtagungen ihrer Landtagsfraktionen finden meist am selben Ort statt, inklusive bierseliges Feiern bis in die Nacht. Wenn dann wie jüngst ein Drachenboot mit der Koalitionsspitze kentert, lässt sich leicht der schwarz-gelbe Teamgeist beschwören: „Wir halten selbst in nassen Hosen zusammen.“

Von Peter Mlodoch

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.