Ermittlungen gegen Arzt wegen angeblicher Verwicklung in Radsport-Affäre eingestellt

Keine Beweise für Doping

Prominente Köpfe in der Affäre: Der Radprofi Jörg Jaksche und der spanische Doping-Arzt Eufemiano Fuentes (kleines Foto). Weil die spanischen Behörden nicht mit der deutschen Justiz kooperierten, verliefen die Ermitttlungen gegen den Arzt aus Bad Sachsa im Sande. Archivfotos: dpa

Göttingen/BAD SACHSA. Fast vier Jahre lang hat die Staatsanwaltschaft Göttingen gegen einen Arzt aus dem Südharz wegen mutmaßlicher Verwicklungen in die Radsport-Dopingaffäre ermittelt. Jetzt hat die Anklagebehörde das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldbuße von 5000 Euro eingestellt. Der Arzt habe die Geldbuße bereits gezahlt, teilte Behördensprecher Andreas Buick am Mittwoch mit. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den aus Polen stammenden Mediziner wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz sowie wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt.

Der Südharzer Arzt war durch ein abgehörtes Telefonat, das der Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes mit ihm geführt hatte, ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. In dem Gespräch soll Fuentes ihn gebeten haben, ihm ein Medikament zu schicken, das auf der Dopingliste steht. Im August 2006 durchsuchten daraufhin Ermittler des Bundeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Göttingen das Wohnhaus des Mediziners in Bad Sachsa und seinen damaligen Arbeitsplatz an einer Klinik in Thüringen.

Trotz umfangreicher Ermittlungen im In- und Ausland konnte die Staatsanwaltschaft jedoch nicht eindeutig klären, ob er in großem Umfang Arzneimittel zu Dopingzwecken insbesondere an Radsportler geliefert hatte. Die Ermittlungen wurden vor allem dadurch erschwert, dass die spanischen Behörden alle Rechtshilfeersuchen der deutschen Justiz ablehnten.

Ein erhebliches strafrechtliches Verhalten, das für eine Anklageerhebung erforderlich wäre, sei dem Arzt somit nicht nachzuweisen gewesen, sagte Buick. Auch der Verdacht der Körperverletzung ließ sich nicht hinreichend erhärten. Diese Ermittlungen waren durch Aussagen des Radprofis Jörg Jaksche ausgelöst worden. Dieser hatte in einem Interview darüber berichtet, dass der Arzt ihm dreimal Eigenblut zugeführt habe. Das Geld für das Eigenblutdoping überwies Jaksche nach eigenen Angaben auf ein Schweizer Konto des spanischen Dopingarztes Fuentes. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft drehten sich insbesondere um die Frage, ob der Radprofi über die möglichen gesundheitlichen Konsequenzen des Eigenblutdopings aufgeklärt worden war.

Von Heidi Niemann

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