Unnötige Konkurrenz oder sinnlos

Zweiter Arbeitsmarkt für Flüchtlinge? Experten warnen

Berlin. Auf wenig Gegenliebe stieß eine Idee von Reiner Hoffmann, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Er hatte einen zweiten Arbeitsmarkt für Flüchtlinge angeregt.

Mehr als die Häfte der deutschen Unternehmen trauen Flüchtlingen laut einer Umfrage des Ifo-Instituts wegen schlechter Qualifizierung nicht einmal Hilfsarbeiter-Jobs zu. DGB-Chef Reiner Hoffmann bringt deshalb einen speziellen Arbeitsmarkt für Flüchtlinge ins Spiel: „Ich kann mir vorstellen, dass wir für eine gewisse Zeit einen sozialen Arbeitsmarkt schaffen für gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten, die ansonsten nicht erledigt würden“, so der Gewerkschafter gestern in einem Interview. Es müsse sich aber um sozialversicherungspflichtige Jobs mit einem Mindestlohn handeln.

Über das tatsächliche Qualifikationsniveau der Neunankömmlinge gibt es bislang aber kaum gesicherte Erkenntnisse. Experten gehen davon aus, dass nur etwa jeder Zehnte über eine akademische Ausbildung verfügt. Zum Ausmaß der Arbeitslosigkeit unter den Flüchtlingen gibt die aktuelle Statistik lediglich vage Hinweise. Sie erfasst nur Flüchtlinge aus den 15 Hauptherkunftsländern, wobei darin auch Personen auftauchen, die schon gar nicht mehr als Flüchtlinge gelten. Im November zählte die Bundesarbeitsagentur rund 161 400 arbeitslose Personen aus diesen Staaten. Das waren 6,1 Prozent der Arbeitslosen insgesamt.

Fachleute warnen indes davor, der mutmaßlich stark verbreiteten Bildungsferne unter den Flüchtligen mit einem gesonderten Arbeitsmarkt begegnen zu wollen. Entweder entstehe eine Konkurrenz zu regulären Beschäftigungsverhältnissen oder es handele sich um sinnlose Jobs, meint Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Es gibt also praktisch keine Jobs, die man losgelöst vom regulären Arbeitsmarkt anbieten kann.“ Die Alternative könne folglich nur in einer ordentlichen Ausbildung bestehen, sagte Brenke unserer Zeitung.

„Keine Sondermaßnahmen“

„Die Flüchtlinge dürfen nicht in irgendwelchen Sondermaßnahmen geparkt werden, sondern müssen vor allem die betriebliche Praxis kennenlernen“, meinte auch die Grünen-Arbeitmarktexpertin Brigitte Pothmer. Geeignet seien Einstiegsqualifizierungen, die mit einer Sprachausbildung kombiniert werden müssten, so Pothmer. Einstiegsqualifizierungen sollen Jugendliche mit schlechten Bildungsabschlüssen unterstützen. Doch mittlerweile hat sich die Lage auf dem Lehrstellenmarkt entspannt. 2014 gab es nur noch knapp 11 300 solcher Maßnahmen. 2009 waren es fast drei Mal so viele.

Nach Einschätzung von Ulrich Walwei, Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommen gemeinnützige Tätigkeiten für Flüchtlinge nur dann in Betracht, wenn andere Mittel zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt nicht ausreichen. „Da dürfen die Neuankömmlinge nicht anders behandelt werden als einheimische Arbeitssuchende,“ so Walwei.

Rubriklistenbild: © dpa

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