Zukunft liegt in Arterhaltung

Keine heile Tierwelt: Tötung eines Bärenbabys in Bern sorgt für Aufregung

+
Verspielte Bärenkinder: Possierlich anzusehen – aber ist ein Zoo der richtige Ort für sie?

Bern. Zoos sind ins Gerede gekommen. Obwohl sie Millionen zufriedener Besucher anziehen, steigt die Kritik an den Haltungsbedingungen der Tiere und an Tötungen. Der Verband der Zoodirektoren weist Vorwürfe zurück, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass viele nicht mehr an die heile Tierwelt glauben.

Das Bärenbaby hatte nicht einmal einen Namen. „Nummer vier“ wurde es im Berner Dählhölzli Tierpark schlicht genannt. Es durfte nur drei Monate leben. Das Kind des Bärenpaares Misha und Masha war wie sein Geschwister „Nummer drei“ vom Vater nicht angenommen worden. Der 360 Kilogramm schwere Bär biss „Nummer drei“ tot. Statt nun das andere Bärenbaby von Vater Misha zu trennen, entschied der Zoo, es zu töten und einzufrieren. Nun soll es präpariert werden und als Anschauungsmaterial für Kinder dienen.

Zoodirektor Bernd Schildger erklärte dazu, der Tierpark versuche, Kindern mithilfe von Fellen, Knochen und Schädeln die Anatomie von Wildtieren beizubringen. Das gehe nun einmal nicht mit Stofftieren. Und eine vier Jahre alte Plastik eines anderen Bären, die bisher benutzt wurde, sei schon arg abgenutzt. Es sei auch Aufgabe von Zoos, den Tod nicht zu verstecken.

Aktionen wie diese oder auch die Verfütterung einer Giraffe im Zoo Kopenhagen im Januar mögen aus Sicht der Tierparkverantwortlichen begründbar sein, aber sie bringen die Einrichtungen ins Gerede. Nicht nur Tierschützer gehen auf die Barrikaden, auch viele Zoobesucher machen sich Gedanken über das Leben der Tiere hinter Gittern.

Die Wahrnehmung der Zoos in der Öffentlichkeit war auch Thema bei der Jahrestagung des Verbandes Deutscher Zoodirektoren in Münster. Vereinspräsident Theo Pagel, Direktor des Kölner Zoos, erklärte zwar, der wachsenden Kritik entgegenwirken zu wollen. Aber er ging mit allen, die gegen Zoos protestieren, ins Gericht. Man solle sich lieber der zwei Millionen streunenden Katzen in Deutschland annehmen, statt auf eine Handvoll gefangener Delfine zu starren, wird er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sinngemäß zitiert.

Die Zoodirektoren waren sich einig, dass die Zukunft der Zoos vor allem in der Arterhaltung liege. Wie die Tierparks in 30 Jahren aussähen, hänge von der finanziellen Unterstützung ab. Kaum ein Zoo könne sich selbst finanzieren.

Für die Erhaltung von Zoos argumentiert Gunther Nogge, früherer Direktor des Kölner Zoos, am Beispiel Gorilla. Sie seien, wie andere Tiere auch, in den Einrichtungen sicher, in einem geschützten Lebensraum, den ihnen niemand streitig mache. Inklusive Futter und medizinischer Betreuung.

Das sagen Tierschützer

Der Deutsche Tierschutzbund spricht sich ausdrücklich nicht generell gegen Zoos aus. Es müsse „allerdings gewährleistet sein, dass die Tiere frei von Schmerz, Leiden und Schaden gehalten werden“. Kaum möglich – so der Tierschutzbund auf seiner Homepage – sei eine artgerechte Haltung von exotischen Tieren mit großem Schauwert wie Eisbären, Giraffen oder Tiger.

Der Argumentation der Zoos, viel zum Artenschutz beizutragen, will der Tierschutzbund nicht zustimmen. Nur eine verschwindend geringe Zahl bedrohter Tierarten könne durch Zuchtprogramme erhalten werden. Delfine, Menschenaffen oder Elefanten könnten kaum nachhaltig gezüchtet werden. Im Übrigen lebten die Tiere oft in einem künstlichen, von Menschen gemachten Umfeld. Sie seien zum Beispiel bei der Futtersuche, dem Sozialverhalten und den Bewegungsabläufen eingeschränkt, so James Brückner, Fachreferent für Arten- und Naturschutz.

Die Tierrechtsorganisation Peta lehnt das Halten von Tieren in Zoos völlig ab. Nach Ansicht von Diplom-Zoologe Peter Höffken, Wildtierexperte bei Peta, gehe es den Parks nicht um Tier- oder Artenschutz, sondern um hohe Besucherzahlen und Prestige. In Gefangenschaft geborene Tiger, Bären, Menschenaffen, Löwen, Giraffen, Eisbären und viele weitere Tierarten könnten grundsätzlich nicht ausgewildert werden. Im Zoo verkümmerten ihre Instinkte, und die Tiere könnten wichtige Verhaltensweisen für ein Überleben in der Natur nicht erlernen. Bei 85 Prozent der Tiere in deutschen Zoos handele es sich nicht um gefährdete Arten.

Diskutieren Sie mit uns

Sollen Tiere auch heute noch in Zoos gehalten werden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an nachrichten@hna.de oder als Kommentar unter diesem Artikel.

Von Peter Klebe

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.