Keine Klassenfahrten mehr: Gymnasiallehrer wollen Schulausflüge streichen

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Wütende Lehrer: Bei einer Demonstration in Hannover machten die Pädagogen in dieser Woche ihrem Unmut Luft. Gestern Abend demonstrierten Schüler auf dem Opernplatz für den Erhalt der Klassenfahrten.

Hannover /Wiesbaden. Gymnasiallehrer in Niedersachsen wollen mit ihren Schülern keine Klassenfahrten mehr unternehmen. Grund ist die von der rot-grünen Landesregierung geplante Erhöhung der Arbeitszeit um eine Stunde pro Woche und der Wegfall der Altersermäßigung.

CDU und FDP kritisierten gestern im Landtag die Mehrarbeit für Gymnasiallehrer. „Das ist Willkür, das ist Vertrauensbruch, das ist skandalös und unverschämt“, schimpfte Kai Seefried (CDU). Ab Sommer 2014 sollen Pädagogen 24,5 Stunden pro Woche unterrichten - eine Stunde mehr als bisher.

In Hessen beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit für Lehrer bereits jetzt 25,25 Pflichtstunden, was dem Bundesdurchschnitt entspricht. Der Boykott von Klassenfahrten wäre in Hessen nicht möglich. Dort sind sie in der Dienstordnung für Lehrkräfte in Paragraph 8 festgelegt. Eva Dubisch vom Kultusministerium in Wiesbaden sieht Ausflüge außerdem als wichtigen Bestandteil der Schule. „Sie tragen dazu bei, gegenseitiges Verständnis zu vertiefen und den Gemeinschaftssinn zu fördern.“ In Niedersachsen ist der Boykott von Klassenfahrten allerdings erlaubt. „Das sind freiwillige Leistungen und ist Sache der Schulen und der Lehrer,“ sagte Susanne Schrammar, Sprecherin des Kultusministeriums in Hannover. Zudem sei bei der Problematik zu bedenken, dass es sich nicht nur um eine einzelne Stunde Mehrarbeit handle. Zu jeder Schulstunde gehöre für den Lehrer auch eine gewisse Vor- und Nachbereitungszeit. „Das sollte nicht vergessen werden.“

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) verteidigte gestern im Landtag in Hannover die angestrebte Neuregelung: „Wir setzen nicht den Rotstift an in der Bildungspolitik, sondern erhöhen den Bildungsetat in nie gekannter Weise.“ Sie habe Verständnis für die Sorgen der Lehrer und hohen Respekt für ihre Leistung, sagte Heiligenstadt. Politisches Ziel sei aber Bildungsgerechtigkeit für alle.

Stichwort: Der Anlass für die Proteste in Niedersachsen

Die niedersächsische Landesregierung hat im Rahmen der Haushaltsklausur im Juli 2013 beschlossen, die Unterrichtsverpflichtung der Gymnasiallehrer zu erhöhen. Ab dem Schuljahr 2014/15 soll die Arbeitszeit pro Woche auf 24,5 Stunden steigen.

Außerdem wurde die vorgesehene Altersermäßigung von einer Stunde pro Woche ab dem 55. Lebensjahr und einer zweiten Stunde ab Vollendung des 60. Lebensjahres für alle Lehrkräfte ausgesetzt. Nach Angaben der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft GEW sind davon insgesamt 50 000 Lehrer im Bundesland betroffen. Weil beide Konzepte eine Arbeitzeitverlängerung darstellen und Einstellungschancen für den Nachwuchs verschlechtern würden, war dies der Anlass für den Klassenfahrtboykott der Lehrer.

Und das sagt die GEW:

Den Beschluss, wegen der Mehrarbeit Klassenfahrten zu streichen, bezeichnet der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Eberhard Brandt, als einen möglichen Weg, ein Zeichen zu setzen. "Die Beschlüsse sollten zurückgenommen werden." (bek)

Von Benjamin Kling

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