Griechische Politiker fordern heute noch Reparationszahlungen – Aber Geld und Güter sind geflossen

Keine Kriegsentschädigungen für Athen

Die deutsche Führung des Griechenland-Feldzuges (von links): General Georg Stumme, Generalfeldmarschall Wilhelm List, Obergruppenführer Sepp Dietrich, General Wolfram von Richthofen. Foto:dpa

Es ist ein altes Thema und trotzdem voller Brisanz: Das Finanzministerium in Athen kündigte jetzt an, in seinen Archiven nach Dokumenten zu suchen, die deutsche Reparationszahlungen begründen könnten. Bereits in den vergangenen Jahren kam das Thema insbesondere unter dem Druck bevorstehender Wahlen zur Sprache.

Linke und rechte Politiker aus Griechenland fordern Phantasiesummen von bis zu 300 Milliarden Euro. Die Bundesregierung hat die Reparationsforderungen bereits als mehrmals abgegolten zurückgewiesen. Auch der Bund der Vertriebenen (BdV) in Hessen lehnt die Forderungen ab.

Millionen sind geflossen

Insgesamt sind schon einige hundert Millionen Mark in Form von Leistungen oder Gütern an Griechenland geflossen. Wie die Zeitung Die Welt auflistete, hat die Pariser Reparationskonferenz von 1946 die grundsätzlichen Summen festgelegt. 4,5 Prozent sollten die Griechen von den gesamtdeutschen Reparationsleistungen bekommen und 2,7 Prozent Reparationen in anderer Form. Diese umfassten beispielsweise Maschinen aus Deutschland im Wert von 105 Millionen Euro. Sie erreichten aber wohl nie ihr Ziel.

Die Griechen seien fahrlässig mit den Reparationen umgegangen, sagt der Historiker Heinz A. Richter der Financial Times. Ein Teil der Lieferungen ging nach seinen Recherchen beim Transport mit britischen Schiffen verloren. Wo diese gelandet sind, ist unklar. Der andere Teil der Güter verrostete im Hamburger Hafen, erklärte der Historiker. Es folgten laut Richter weitere Leistungen: 1953 ein Investitionskredit über 200 Millionen Mark, eine Art Reparationsleistung, die aber nie anerkannt wurde und eine Wiedergutmachungsleistung im Jahr 1960 über 115 Millionen Mark für Griechenland.

Schon im Jahr 1953 hatte die Londoner Schuldenkonferenz beschlossen, weitere Regelungen über Reparationsforderungen bis zu einem Friedensvertrag zu verschieben. Der Zwei-Plus-Vier-Vertrag trat 1990 an diese Stelle, den Griechenland akzeptierte, ohne dass damit weitere Forderungen verbunden waren.

Die vom stellvertretenden Finanzminister Christos Staikouras jetzt eingerichtete Arbeitsgruppe solle bis zum Ende des Jahres ihre Ergebnisse vorlegen, teilte das Finanzministerium mit. Bereits im März hatte der damalige Finanzminister Stavros Dimas betont, dass die Griechen nie von ihren Forderungen zurückgetreten seien.

Am Ende handelt es sich laut Historiker Richter wohl um ein Ablenkungsmanöver. Denn im Oktober steht der europäischen Wirtschaftsbericht zur Situation Griechenlands bevor.

Von Max Holscher

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.