Andrea Nahles lüge, behauptet der AfD-Politiker

Albrecht Glaser (AfD) im Interview: "Das war keine Provokation"

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AfD-Bundestagsfraktion

Nach seinem Scheitern bei der Wahl zum Bundestagsvizepräsidenten bekräftigt Albrecht Glaser (AfD) im Interview seinen Willen, nochmals zu kandidieren.

Wie waren die ersten Tage als Abgeordneter im Bundestag?

Albrecht Glaser: In der Fraktion war es ein harmonisches Zusammenfinden. Mit manchen Abgeordneten anderer Fraktionen gab es entspannte Gespräche. Bei anderen spürte man, wie Gruppenaggressionen gezüchtet und unerfreuliche Rituale gefeiert werden.

Sie sind in drei Wahlgängen zum Bundestagsvizepräsidenten gescheitert und wollen wieder antreten. Sollte man das Votum nicht akzeptieren? 

Glaser: Nein, das sollte man nicht. Es handelte sich um einen demonstrativen Versuch der anderen Parteien, die AfD auszugrenzen. Eine Partei, die so was mit sich machen lässt, ist keine gute Partei. Wir kennen das aus den Landtagen. Wenn die Parteien eine Auseinandersetzung zum Grundgesetz und dem Islam wollen, sollen sie diese bekommen. Die Bürger warten seit Jahren drauf.

Sie sprechen von Ausgrenzung. Herr Schäuble wurde von ihrer Fraktion ebenfalls klar abgelehnt. Wo ist da der Unterschied? Gab es dazu einen Fraktionsbeschluss?

Glaser: In unserer Fraktion hat es freie Abstimmungen zu allen anderen Vizepräsidenten gegeben. Herr Schäuble ist in einer herausgehobenen Rolle, also mit den Vizepräsidenten nicht vergleichbar. Er hat dazu beigetragen, dass sich die AfD gegründet. Er ist der Mann des Euro und der des Bruchs der europäischen Verträge mit unabsehbaren Haftungsfolgen für Deutschland. Da geht es um Grundsatzfragen, die für die Meinungsbildung vieler AfD-Abgeordneter verantwortlich sind und unüberbrückbare Hindernisse darstellen. Zu Herrn Schäuble gab es eine eindeutige Meinungsbildung in der Fraktion.

Wäre es nicht besser gewesen, vor der ersten Bundestagssitzung das Gespräch über Ihre Äußerungen zum Islam und zum Grundgesetz zu suchen?

Glaser: Beim Islam geht es nicht nur um die Religionsfreiheit, sondern auch um die Gleichheit von Mann und Frau, die Meinungsfreiheit -denken Sie an die Karikaturen- und die Freiheit der Persönlichkeit. Denken Sie an das Thema Zwangsehen. Was ich über den Islam gesagt habe, ist völlig trivial. Der Eklat ist daher nicht diese Feststellung, sondern der Vorgang, diese zum Vorwand zu nehmen, der AfD das ihr zustehende Amt zu versagen.

Warum haben Sie ihre Position zum Islam nach der Aufforderung der SPD-Fraktionsvorsitzenden Andrea Nahles nicht klargestellt?

Glaser: Was den Brief von Frau Nahles angeht, so war er nicht dafür gedacht, mich jemals zu erreichen. Der landete ohne Absender und zerknüllt irgendwo in einem Büro, wo keine Menschen sind, weil wir noch keine Büros haben. Ich habe Frau Nahles am Sonntagnachmittag eine E-Mail geschrieben, auf die es keine Antwort gab. Auch am Montag wurde der SPD-Fraktion per Fax ein Gespräch angeboten. Wenn Frau Nahles behauptet, sie hätte nichts gehört, ist das offensichtlich unwahr.

Hätten diese Gespräche nicht lange vor der Wahl geführt werden können?

Glaser: Etwa Herr Kauder von der CDU hat ja vorher schon angekündigt, mich wegen meiner Äußerungen nicht zu wählen. Da war ein Gespräch offensichtlich nicht gewollt, andernfalls hätten wir bereitgestanden. Es wurde ein Vorwand gesucht, den AfD-Bewerber abzulehnen. Dann hat man in einer Rede, die einige Monate zurückliegt, einen Vorwand gesucht und gefunden und diesen kultiviert.

Ist das für die AfD nicht ein typisches Vorgehen: Erst provozieren und dann nichts gewusst haben wollen?

Glaser: Das war keine Provokation, diese Behauptung weise ich zurück. Es war eine sachlich zutreffende Bemerkung zu zentralen Inhalten des Islams, mit Provokation hat das nichts zu tun, auch wenn Sie es wiederholen. Es geht allein um inhaltliche Positionen mit großer Bedeutung für das friedliche Zusammenleben von Menschen.

Zur Person

Albrecht Glaser(75), in Worms geboren, studierte Rechts-, Staats- und Verwaltungswissenschaften und Geschichte unter anderem in Tübingen. 1970 der CDU beigetreten, arbeitete er als Dozent, später als Bürgermeister, zwischen 1995 - 2002 als Kämmerer in Frankfurt. 2012 verließ der Vater von vier Kindern die CDU. 2013 trat er der AfD bei. Glaser lebt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. 2017 wurde er vom fünften Platz der AfD-Landesliste in den Bundestag gewählt.

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