Neues EU-Gesetz tritt in Kraft

Ab sofort: Keine Tierversuche mehr für Kosmetik

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Wer schön sein will, muss nicht andere leiden lassen: In der EU sind ab sofort alle Kosmetika aus den Regalen verbannt, die komplett oder in einzelnen Bestandteilen an Tieren getestet wurden.

Brüssel . Der Griff zu Rasierwasser, Lippenstift und Anti-Aging-Creme ist seit Montag ohne schlechtes Gewissen möglich. 30 Jahre haben Tierversuchsgegner für diesen 11. März 2013 gekämpft: Ab sofort dürfen in der EU keine Kosmetika und Pflegemittel verkauft werden, die an Tieren getestet wurden.

Zwar hatte die Union schon 2004 ein teilweises Verbot erlassen. Doch bis gestern waren Tierversuche erlaubt, um besonders schwere Nebenwirkungen auszuschließen. Dazu zählen die Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit, eine höhere Empfindlichkeit der Haut oder Schädigungen bei längerer Anwendung.

Reihenweise wanderten betroffene Unternehmen wie L’Oréal, Procter & Gamble und andere mit ihren Labors nach China und Indien aus, um ihre Versuchsreihen dort durchzuführen. Mit dramatischen Folgen für die Tiere: Allein 2011 stieg die Zahl der bei Versuchen benutzten Ratten, Mäuse, Fische und Kaninchen um 1,9 Prozent auf 2,9 Millionen. Nur langsam setzten sich andere Testmethoden durch, die Brüssel mit fast 240 Millionen Euro förderte.

Forscher fanden heraus, dass Versuche mit humanem Spendergewebe mehr überzeugen konnten. Statt etwa zu bewerten, wie schädlich ein chemischer Stoff für die Hornhaut eines Kaninchens ist, können die Hersteller heute die Substanz auf menschliches Gewebe auftragen, das man im Labor gezüchtet hat. Die Analysen fallen selbst nach Angaben der zunächst kritischen Industrie präziser aus. An dieser Verbesserung der Testmethoden waren Tierversuchsgegner beteiligt.

Zwei Richtlinien

Dennoch sind nicht alle Tiere von ihrem Leiden erlöst. Denn die jetzt geltende Regelung betrifft nur solche Substanzen, die unter die „Kosmetik-Richtlinie“ der EU fallen. Allerdings nutzen die Hersteller auch Chemikalien, die nicht zuerst für kosmetische, sondern industrielle Zwecke erprobt wurden. Für diese gilt aber das EU-Chemikalienrecht. Die einschlägige Reach-Richtlinie enthält zwar auch eine Bestimmung, die auf einen Stopp von Tierversuchen hinarbeitet, so lange diese aber nicht ersetzt werden können, bleiben sie erlaubt.

Somit dürften europäische Pflegecremes, Parfums oder Lotionen, die Bestandteile aus der industriellen Forschung enthalten, auch künftig nicht wirklich „tierversuchsfrei“ sein. Noch nicht. (d.d.)

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