Über 800 Verletzte

Westerwelle vermittelt - Israel bombardiert

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Der Nahost-Konflikt eskaliert weiter, eine Waffenruhe ist nicht in Sicht.

Gaza - Der deutsche Außenminister will zwischen Israel und den Palästinensern vermitteln. Doch die Gewalt geht weiter: Im Gazastreifen sterben Zivilisten. Die Hamas feuert Raketen auf Israel.

Allen diplomatischen Bemühungen zum Trotz bekriegen sich Israel und die radikal-islamische Hamas weiter mit Luftangriffen und Raketen. Israelische Militärjets bombardierten auch am Montag dutzende Ziele im Gazastreifen, darunter ein Hochhaus, in dem mehrere Medien ihr Büro haben. Militante Palästinenser feuerten Raketen auf israelische Städte. Am Abend landete UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Ägypten, Bundesaußenminister Guido Westerwelle traf in Israel ein - beide wollen sich für ein Ende der Gewalt einsetzen.

Seit Beginn des blutigen Schlagabtauschs am vergangenen Mittwoch wurden nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums etwa hundert Palästinenser getötet und mehr als 800 verletzt, darunter viele Kinder. Auch drei Israelis starben.

Der deutsche Außenminister sollte noch am Abend in Jerusalem mit seinem israelischen Amtskollegen Avigdor Lieberman zusammentreffen. Am Dienstag standen Gespräche mit Staatspräsident Schimon Peres, Premier Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas an. Kurz vor dem Abflug in die Krisenregion hatte Westerwelle (FDP) ein Ende der Raketenangriffe auf Israel als „wichtigste Voraussetzung für einen Waffenstillstand“ bezeichnet.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte an Israelis und Palästinenser, „jetzt schnellstmöglich einen vollständigen Waffenstillstand zu erreichen“. Auch die Außenminister der Europäischen Union forderten bei ihrem Treffen in Brüssel einen raschen Waffenstillstand.

Der Vorsitzende des Politbüros der Hamas, Chaled Maschaal, sagte bei einer von arabischen Fernsehsendern übertragenen Pressekonferenz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo, es sei nicht die Hamas, die nach einem Waffenstillstand rufe, sondern Israel. Das Land müsse den Krieg beenden, den es selbst begonnen habe. Zugleich betonte er: „Wir wollen keine Eskalation.“

In Ägypten ringen beide Konfliktparteien um Bedingungen für eine Einstellung der gegenseitigen Angriffe. Israel hat einen hochrangigen Unterhändler nach Kairo geschickt. Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hat einen gewissen Einfluss auf die Palästinenser. Denn aus der Muslimbruderschaft - der politischen Heimat Mursis - ging vor Jahrzehnten die Hamas hervor.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon traf am Montag in Kairo ein. Nach Gesprächen mit Mursi am Dienstag sollte er anschließend nach Israel weiterreisen. Er forderte Israel und die Hamas auf, mit Ägypten als Vermittler zusammenzuarbeiten.

Inmitten israelischer Angriffe will die Arabische Liga am Dienstag gemeinsam mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu zu einem Solidaritätsbesuch in den Gazastreifen reisen. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan verschärfte zuvor den Ton. „Israel ist ein terroristischer Staat“, zitierten türkische Medien den Regierungschef am Montag bei einer Konferenz in Istanbul. Die Welt verschließe die Augen vor Massakern an Zivilisten und Kindern.

Die israelische Luftwaffe griff am Montag ein Hochhaus mit Medienbüros in Gaza an. Das 14-stöckige Gebäude, in dem der Hamas-nahe Sender Al-Aksa-TV sowie Al-Arabija und der libanesische Sender MBC Büros hätten, sei mit Raketen beschossen worden, berichteten Augenzeugen. Dabei sei ein Mitglied der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad getötet worden. Israels Armee bestätigte den Angriff.

Augenzeugen in Gaza berichteten auch von gezielten Angriffen auf Häuser militanter Palästinenser. Die israelische Armee bestätigte, es seien Gebäude von Hamas-Mitgliedern beschossen worden, „die als Kommandoposten und Waffenlager benutzt werden“. Seit Beginn des Einsatzes seien 1350 Ziele im Gazastreifen bombardiert worden.

Am Sonntag waren bei einem Luftangriff auf ein Gebäude in Gaza mindestens elf Mitglieder einer Familie getötet worden, darunter mehrere Kinder. Zunächst hatte es geheißen, der Angriff habe einem Raketen-Kommandeur der Hamas gegolten. Ein Armeesprecher sagte am Montag, man prüfe Berichte, die Luftwaffe habe versehentlich das falsche Haus bombardiert.

Bilder: Gewalt im Gazastreifen

Gazastreifen: Angriffe gehen weiter

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bedauerte in Brüssel den Verlust von Menschenleben. „Natürlich hat Israel das Recht auf Selbstverteidigung.“ Die internationale Gemeinschaft erwarte aber auch, dass Israel Zurückhaltung zeige.

In der israelischen Küstenstadt Aschkelon schlug am Montag eine Rakete aus dem Gazastreifen in einer leerstehenden Schule ein. Militante Palästinenser haben mehr als 1000 Raketen auf Israel abgefeuert. Ungefähr jedes dritte Geschoss wird vom israelischen Abwehrsystem „Iron Dome“ (Eisenkuppel) abgefangen.

Der israelische Vize-Außenminister Danny Ajalon sagte dem Zweiten Israelischen Fernsehen: „Unsere kategorische Forderung ist ein vollständiger Stopp der Raketenangriffe.“ Im Rahmen einer Waffenruhe müsse auch dafür gesorgt werden, dass die Hamas im Gazastreifen sich nach Ende der Konfrontationen nicht wieder neu bewaffnen könne.

Hier tötet Israel den Hamas-Militärchef

Hier tötet Israel den Hamas-Militärchef

Israels Armee setzte am Montag die Vorbereitungen für eine mögliche Bodenoffensive fort. Nach Angaben des israelischen Rundfunks sind etwa 40.000 Reservisten einberufen worden.

Ein Zusammenschluss von 38 internationalen Hilfsorganisationen - darunter Oxfam, Terre des Hommes Schweiz und Save the Children - warnte vor einer humanitären Katastrophe. Lokale Partner und Krankenhäuser im Gazastreifen hätten gemeldet, dass bereits wichtige Medikamente und Utensilien ausgehen. In dem Gebiet leben den Angaben zufolge 1,6 Millionen Palästinenser, die Hälfte davon seien Kinder.

dpa

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