Gewalt in Stadien: Innenminister und 96-Präsident beraten über Reaktion

Kind: Eintritt wird teurer

Randale auf den Rängen. (oben) Hannovers Fans brennen am 20. Oktober während des Spiels Hannover 96 gegen FC Kopenhagen in der AWD-Arena bengalische Feuer ab. Rechts: Clubpräsident Martin Kind (links) und Innenminister Uwe Schünemann. Fotos:  dpa

Hannover. Mit besserer Videoüberwachung, stärkerer Polizeipräsenz und mehr Einlasskontrollen will Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) Ausschreitungen in Fußballstadien eindämmen. „Es sind autonome Fußballchaoten, die ihr Gewaltpotenzial ausleben wollen“, sagte Schünemann am Montag in Hannover angesichts der Diskussionen über die zunehmende Gewalt am Rande von Fußballstadien in den vergangenen Wochen.

Schünemann forderte, die Höchstdauer der Stadionverbote für Gewalttäter wieder auf fünf Jahre zu erhöhen und bei negativer Prognose um jeweils zwei Jahre zu verlängern. Zudem sollten Stadionverbote von einer neutralen Stelle beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und nicht vom Heimatclub verhängt werden. Am 14. November wollen die Sportminister der Bundesländer bei einem Runden Tisch über Maßnahmen gegen die eskalierende Fangewalt beraten.

Kameras und Polizisten

Der Präsident des Bundesligisten Hannover 96, Martin Kind, entgegnete, er setze lieber auf Information und Kommunikation. „Ich bin kein Freund von Strafe“, sagte Kind. Allerdings könne nicht hingenommen werden, dass die Ultras an gefährlicher Pyrotechnik festhielten.

Kind rechnet in diesem Jahr mit Strafen für 96 in Höhe von bis zu 100 000 Euro für das Abbrennen der verbotenen Bengalos. „Wir werden im nächsten Jahr deutlich die Preise in der Nordkurve anheben“, kündigte der 96-Clubchef daher an. Es gehe darum, die etwa 250 Personen zu identifizieren, die Probleme machen.

„Wir wollen keinen Krieg“, sagte Kind mit Blick auf die Fans. „Wir brauchen sie auch, sie unterstützen uns, machen Stimmung.“ Insgesamt habe die Gewaltbereitschaft deutlich abgenommen. „Die Probleme in Braunschweig und Osnabrück sind stärker als in Hannover“, sagte auch Schünemann. Wenn nötig, müsse die Polizei aber auch in den Fan-Block gehen. „Gerade wenn Gewalt angewandt wird, darf man hier nicht zimperlich sein.“ Landesweit sind nach Einschätzung der Polizeidirektionen rund 1300 Fußballfans der gewaltbereiten Szene zuzurechnen. (lni)

Von Christina Sticht

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