41-jährige Mutter soll schuldunfähig sein - Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Kinder erwürgt und erstochen

Prozessauftakt in Stade: Die Angeklagte Carolin Loretta H., die sich einen Aktendeckel vors Gesicht hält, soll ihre beiden Töchter heimtückisch umgebracht haben. Foto: dpa

Stade. Sie soll ihren beiden Töchtern zunächst eine Überdosis Schlafmittel verabreicht und sie dann heimtückisch getötet haben: Dafür muss sich seit Montag eine Frau vor dem Landgericht in Stade verantworten. Mit teilnahmslosem Gesichtsausdruck und geröteten Wangen verfolgte die 41 Jahre alte Frau, die seit der Tat im Juni in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht ist, den Worten von Staatsanwalt Nils Lahmann.

Mit Gürtel gewürgt

Demnach habe sie zunächst die schlafende dreijährige Tochter mit einem Bademantelgürtel gewürgt und auf sie eingestochen. Der Körper des Mädchens wies 36 Stich- und Schnittverletzungen auf. Danach habe die Frau auch die fünfjährige Schwester gewürgt und 26-mal mit dem Messer verletzt – fünf Stiche gingen in die Lungenflügel.

Die Beschuldigte wurde anschließend unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen. So sei die Frau eher bereit, sich zu den Hintergründen der Tat zu äußern, begründete das Gericht die Entscheidung. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt, vier Verhandlungstage sind angesetzt.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehen von der Schuldunfähigkeit der Frau aus. In dem Sicherungsverfahren soll geklärt werden, ob die Beschuldigte dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht wird. Die Beschuldigte habe unter dem Eindruck einer psychotischen Störung in Verbindung mit einer seelischen Erkrankung gehandelt, sagte der Staatsanwalt.

Nach ihrer Festnahme hatte die Frau ausgesagt, innere Stimmen hätten ihr befohlen, die Mädchen umzubringen. Sie war wegen Verfolgungswahns, Depressionen und Angstzuständen in Behandlung.

„Der Beschuldigten geht es sehr schlecht“, sagte Verteidiger Wolfgang Renner. Sie sei Täterin und zugleich Opfer. Seine Mandantin habe getötet, was ihr das Liebste war. „Die Kinder waren ihr größtes Heiligtum“, sagte eine Freundin der Beschuldigten, die als Zeugin gehört wurde.

Akut suizidgefährdet

Ein Gutachter und der behandelnde Arzt beschrieben die Frau als akut selbstmordgefährdet. Um die Suizidgefahr nicht zu erhöhen, entschied das Gericht, dass sie bei den anschließenden Zeugenvernehmungen nicht anwesend sein müsste. Ob sie überhaupt noch einmal vor Gericht erscheint, war am Montag noch unklar.

Sicherungsverfahren

Für psychisch kranke Straftäter, die als gefährlich gelten, sieht die Strafprozessordnung anstelle eines Strafprozesses ein Sicherungsverfahren vor. Das Gericht entscheidet dann, ob der Angeklagte in ein psychiatrisches Krankenhaus kommt. Die Unterbringung ist unbefristet, wird aber jährlich überprüft. Mit einer Entlassung können Betroffene erst rechnen, wenn Gutachter sie als ungefährlich eingestuft haben. Die durchschnittliche Verweildauer liegt bei vier Jahren. (lni)

Von Britta Kollenbroich

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