Zahl der Minderjährigen in der Erstaufnahme-Station am Frankfurter Flughafen steigt

Kinder auf der Flucht

Müder Blick: Ein afrikanisches Flüchtlingskind sitzt in der Asylunterkunft am Frankfurter Flughafen. Archivfoto: dpa

Frankfurt. Für die beiden kleinen Burundier sind die Fernsehkameras eine interessante Sache. Journalisten kommen nicht oft in das schmucklose dreistöckige Gebäude in der Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens. Dort ist die hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE), die mit dem Flugzeug nach Frankfurt kommen. Ihnen stattete Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) gestern einen Besuch ab.

Die Kleinen Burundier sind mit ihrer Mutter da, doch viele haben weniger Glück: Die Zahl der Minderjährigen, die ohne Begleitung nach Hessen kommen, wächst laut Grüttner. 2009 waren es 415, 2010 638 und in diesem Jahr sind bis Oktober schon 570 Kinder und Jugendliche allein nach Hessen gekommen, die meisten aus Somalia und aus Afghanistan.

Auf dem Luftweg sind im Vorjahr 53 und 2011 bisher 64 Minderjährige eingereist, alle anderen werden in die Erstaufnahme Gießen gebracht. Grüttners Botschaft: In Hessen funktioniert das System der Erstaufnahme vorbildlich, besonders was die Kinder betrifft. In der HEAE am Flughafen gibt man sich Mühe, das Ambiente einigermaßen wohnlich zu gestalten. Auf den Kinderbetten sitzen Teddybären, es gibt verschiedene Aufenthaltsräume zum Malen oder Lesen, bei gutem Wetter kann man draußen spielen.

Das Vorbildliche an Hessen ist aber vor allem die Zusammenarbeit der Behörden. Betreut werden die Minderjährigen von Sozialpädagogen, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Denn viele der Kinder sind von Bürgerkriegs- und Fluchterfahrungen traumatisiert. Um die Bedürfnisse der jungen Flüchtlinge noch besser zu erkennen, wird das Land den Frankfurter Arbeitskreis Trauma und Exil 2012 mit 50 000 Euro fördern. Von der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl wurde Hessen dafür gelobt, das Land zeige großes Problembewusstsein.

In der Regel, so Anita Hebenstreit vom Hessischen Sozialministerium, hielten sich die Kinder nur ganz wenige Tage in der Erstaufnahme auf, sie kämen dann nach Frankfurt oder Gießen in sogenannte Clearing-Einrichtungen, die feststellen, was für die Kinder konkret zu tun ist. Bleiben und sich erst einmal von den Strapazen der Reise erholen dürfen sie auf jeden Fall.

Transitbereich

Das Haus am Flughafen, das 100 Menschen aufnehmen kann, ist eine Zweigstelle von Gießen, insgesamt kamen im vergangenen Jahr um die 1000 Menschen dorthin. In Deutschland sind sie dann noch nicht, denn das Gebäude ist Transitbereich. Bei den Erwachsenen wird im sogenannten Flughafenverfahren innerhalb von 19 Tagen entschieden, ob sie einreisen und Asyl beantragen dürfen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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