In der Schule Leben retten: Kinder sollen Reanimation lernen

Die Chance, dass ein Mensch einen Herzstillstand überlebt, liegen nach drei Minuten bei 75 Prozent, nach zehn Minuten schon nur noch bei fünf Prozent. Deshalb sollen künftig Kinder schon in der Schule üben, wie man andere reanimiert. Das hat der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz (KMK) jetzt den Bundesländern empfohlen.

Ab der siebten Klasse sollen Schüler jedes Jahr in zwei Schulstunden in lebensrettenden Maßnahmen unterrichtet werden. Rostocker Universitätsmediziner um Dr. Gernot Rücker hatten die Initiative angestoßen. Um angstfrei lebensrettende Maßnahmen ergreifen zu können, sei es wichtig, Kinder früh an das Thema heranzuführen. Erfahrungen aus anderen Ländern würden zeigen, dass pro Jahr zusätzlich 5000 Menschen gerettet werden könnten.

Doch nicht nur für Kinder ist eine gute Schulung in Wiederbelebung wichtig. Bei 75 000 Menschen im Jahr wird in Deutschland eine Wiederbelebung begonnen, nur etwa 5000 überleben. Die Überlebensquote nach Herzstillstand ist laut Rücker in Deutschland so niedrig wie in fast keinem anderen Land Europas. Laut deutschem Reanimationsregister wird nur in 15 Prozent aller Fälle von Kreislaufstillstand überhaupt mit der Wiederbelebung begonnen, bevor der Rettungsdienst eintrifft. Zum Vergleich: In Schweden und Norwegen machen etwa 60 Prozent der Bevölkerung im Notfall eine Herzdruckmassage.

So funktioniert die Herz-Lungen-Wiederbelebung

Für das Überleben einer Person, die einen Kreislaufstillstand erleidet, ist es wichtig, dass die Rettungskette sofort einsetzt und ohne Unterbrechung funktioniert. Die Laienreanimation, also die Wiederbelebung durch Helfer vor Ort, stellt dabei das erste Glied dar. Inka Neumann, beim Landesverband Hessen des Deutschen Roten Kreuzes zuständig für Erste Hilfe, erklärt Schritt für Schritt, wie Wiederbelebung funktioniert.

1. Bewusstsein prüfen 

Ob eine Person bewusstlos ist, lässt sich daran erkennen, dass sie nicht auf Ansprechen oder vorsichtiges Schütteln reagiert. Ist die Muskulatur erschlafft und fehlen Schutz- und Schluckreflexe, schwebt die Person in Lebensgefahr.

2. Notruf absetzen 

Rufen Sie 112 an. Wichtig zu nennen: Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wie viele Verletzte? Welche Art Verletzung? Warten auf Rückfragen der Rettungsleitzentrale.

3. Atmung prüfen 

Beugen Sie den Kopf des Bewusstlosen nach hinten und heben Sie das Kinn an. Gehen Sie dicht über Mund und Nase des Betroffenen und kontrollieren Sie, ob die Person normal atmet. Erkennbar ist das unter anderem am Heben und Senken des Brustkorbs.

4. Herzdruckmassage 

Atmet die Person nicht, legen Sie sie auf den Rücken auf einen harten Untergrund. Machen Sie den Brustkorb frei. Der richtige Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbs auf dem Brustbein. Setzen Sie dort beide Handballen übereinander auf. Mit abgespreizten Fingern und durchgestreckten Armen wird der Brustkorb mindestens fünf bis maximal sechs Zentimeter mit einer Frequenz von 100 bis 120 Mal pro Minute eingedrückt. Um die richtige Frequenz zu finden, hilft es, sich den Refrain des Bee-Gees-Hits „Staying Alive“ (Am Leben bleiben) innerlich vorzusingen: „Ah, ah, ah, ah, stayin’ alive, stayin’ alive“, und in diesem Rhythmus zu drücken.

5. Atemspende 

Beatmung und Herzdruckmassage sollten im Wechsel stattfinden: Auf 30 Mal drücken folgt zwei Mal beatmen. Dabei wird der Kopf überstreckt und die Nase zugehalten. Der offene Mund des Bewusstlosen wird komplett umschlossen und die Person beatmet. Wer nicht beatmen kann oder möchte, sollte die Herzdruckmassage weiterführen.

Sie können die Herz-Lungen-Wiederbelebung beenden, wenn die Atmung wieder einsetzt oder der Rettungsdienst eintrifft und sie ohne Unterbrechung übernimmt.

Von Sina Beutner

Rubriklistenbild: © dpa

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