Betrug und Körperverletzung mit nicht zugelassenem Impfstoff

Anklage gegen Arzt: Kinder als Versuchskaninchen?

Fulda. Ein heute 67-jähriger Kinderarzt aus Osthessen soll während der beiden Grippewellen in den Jahren 2008 bis 2010 Kinder in Fulda mit einem nicht für sie zugelassenen Grippemedikament behandelt haben.

Weil laut Anklage dabei die notwendige Einwilligung der Eltern fehlte, steht der Mann seit gestern wegen versuchter Körperverletzung vor dem Fuldaer Landgericht.

Zudem ist der Mediziner wegen Betruges angeklagt: Für angeblich wissenschaftliche Erhebungen, die die Grippeaktion begleiteten, zahlte eine Pharmafirma laut Staatsanwaltschaft knapp 73.000 Euro. Die für die Studie nötigen Tagebücher soll statt der Eltern ebenfalls der Arzt ausgefüllt haben – mit erfundenen Daten. 75 Fälle sind angeklagt. An der Studie waren insgesamt 152 Kinder beteiligt.

Kinder als Versuchskaninchen? Die Version des Arztes zum Prozessauftakt gestern lautete ganz anders: Er gestand den Betrug. Die Studie habe er einfach mit Namen aus seiner Patientenkartei versehen und die Testergebnisse frei erfunden. Die Impfungen habe es aber nicht gegeben, sagte der Angeklagte. Er habe deshalb keine Zustimmung der Eltern eingeholt.

Der Staatsanwalt legte Wert auf die Feststellung, dass keinem Kind etwas passiert sei, selbst wenn sie den Impfstoff injiziert bekommen haben sollten. Das Landgericht überlegt nun, die betroffenen Kinder auf mögliche Spuren des Impfstoffs in ihren Körpern untersuchen zu lassen.

Der Kinderarzt hatte sich im Vertrag mit dem Pharmaunternehmen bereit erklärt, wissenschaftlich zu testen, wie Kinder auf einen Wirkstoff reagieren, der für Erwachsene bereits zugelassen, aber erst für Patienten ab 65 Jahren empfohlen war. Der Verteidiger des Mediziners sagte, in einer wirtschaftlichen Schieflage habe der Angeklagte mit dem Geld für die gefälschten Tests damals das endgültige Aus seiner Praxis abwenden wollen.

Die Richter konfrontierten den Arzt mit einem Entschuldigungsbrief, den er den Eltern geschickt hatte, nachdem der Betrugsvorwurf bekannt geworden war. In dem Schreiben hatte der Mediziner versichert, der Wirkstoff sei ungefährlich für die Kinder gewesen. Richter und Staatsanwalt fanden es merkwürdig, dass er sich für etwas rechtfertige, was er angeblich gar nicht getan habe. Ein Urteil wird am 20. April erwartet. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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