Kinderhilfswerk: „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“

Glückliche Gesichter: Maike Röttger mit Schülerinnen bei ihrem Besuch in Banda Aceh vor zwei Wochen. Foto: Plan/nh

Das Kinderhilfswerk Plan International war eine der Hilfsorganisationen, die in dem Tsunami-Katastrophengebiet tätig waren.

Die Geschäftsführerin von Plan Deutschland, Maike Röttger, hat die besonders betroffene Region Aceh im Norden Sumatras gerade besucht. Sie zieht ein positives Fazit.

Frau Röttger, wie war Ihr Endruck von der Lage dort? 

Maike Röttger: Sie sehen heute im Stadtbild von Banda Aceh wenig von Zerstörung. Die Leute dort haben aber Gedenkstätten geschaffen, die das Leid der Menschen dokumentieren.

Und wie haben Sie die Menschen selbst erlebt? 

Röttger: Als sehr offen. Ein Schulleiter erzählte mir, dass sie sich in dieser zuvor ja durch Bürgerkrieg sehr abgeschotteten Region verändert hätten. Weil Menschen aus aller Welt ihnen geholfen hätten, seien sie auch bereit gewesen, sich zu öffnen.

Dann hat die Hilfe also auch nachhaltige Wirkung gehabt? 

Röttger: Ja. Das ist aber ohnehin unser Ziel. Wir arbeiten immer ganz eng mit den Menschen zusammen, in der Regel bleiben wir zehn bis 15 Jahre, die Aufbauarbeit nach einer Katastrophe dauert fünf Jahre. Das bedeutet, dass wir vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Wir sind damals mit 20 Mitarbeitern in die Region gegangen und haben gleich begonnen, dort weitere Mitarbeiter anzuwerben.

Was hat Plan damals konkret getan? 

Röttger: Wir waren als Erste dort, nachdem die Regierung in Djakarta das Katatstrophengebiet geöffnet hatte. Wir haben Nothilfe geleistet, aber gleich den Fokus auf die Hilfe für Kinder gelegt, indem wir Kinderschutzzentren eingerichtet haben. Sie sollten ein Stück Normalität erleben. Insgesamt haben wir mit psychosozialer Betreuung 21.000 Kinder erreicht. Und wir haben Kinder in Hygiene geschult, damit sie keinen Durchfall bekommen. Wichtig war auch, dass wir über 11.000 Geburtsurkunden ausgestellt haben, viele Kinder waren gar nicht registriert.

Und viele haben wahrscheinlich ihre Eltern verloren. 

Röttger: Ja. Ich habe Surya getroffen, der damals sieben Jahre alt war, das 15. von 16 Kindern. Die Familie saß beim Frühstück, als die Welle kam. Er wurde von der Tsunami-Welle weggerissen und landete fünf Kilometer entfernt in einem Mangobaum. Die Eltern und zwölf Geschwister sind bis heute vermisst. Surya erhielt eine Therapie zur Traumabewältigung. Er ist heute ein sehr gefestigter junger Mann. Er hat mir erzählt, dass er große Angst hatte vor einer Adoption ins Ausland. Das lehnt Plan prinzipiell ab. Die Familien dort sind groß, meist gibt es Angehörige, die sich um Waisenkinder kümmern.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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