Hessenweit operierender Verkehrsverbund im Gespräch - Widerstand aus dem Norden

Anzeichen für Fusion von NVV und RMV verdichten sich

Wiesbaden. Die Anzeichen für eine Fusion der beiden Verkehrsverbünde in Süd- und Nordhessen, RMV und NVV, mehren sich.

Aus einem unserer Zeitung vorliegenden Papier (Titel: „Aktionsplan Nachhaltige Mobilität für Hessen“) geht hervor, dass nach einer Novellierung des ÖPNV-Gesetzes zum Jahresende 2012 ab 2015 die Zusammenarbeit vertieft und ab 2018 nur noch ein Verbund existieren soll.

Entsprechende Befürchtungen waren bereits laut geworden, als RMV-Geschäftsführer Klaus-Peter Güttler im April für zwei Jahre als zweiter NVV-Geschäftsführer neben Wolfgang Dippel installiert worden war. Güttler, der den RMV gemeinsam mit Knut Ringat leitet, hatte damals betont, er werde seine Arbeit „ganz klar auf der Grundlage der bisherigen Organisation leisten“. Für „nichts anders stehe ich auch persönlich zur Verfügung“. Natürlich sei sein Ziel, „Synergieeffekte zu heben“. Dem Papier zufolge ist es damit offenkundig aber nicht mehr getan, da die Verbünde mit einer bis 2020 auf jährlich 100 Millionen Euro wachsenden Defizit rechnen müssten.

Ein Sprecher des Verkehrsministeriums betonte, das Papier sei „nicht aus unserem Hause“. Angesichts finanzieller Herausforderungen müsse auch über eine effizientere Organisation nachgedacht werden. In verschiedenen Gremien werde über die Zukunft des ÖPNV und die Novellierung des Gesetzes diskutiert. Auch die Existenz des Papiers sei bekannt. Zunächst habe das Ministerium eine Risikoanalyse in Auftrag gegeben - genau das schlägt das Papier als erstes im Aktionsplan vor.

Es geht aber noch weiter: Statt der lokalen Nahverkehrsorganisationen (NVO) auf Landkreis- bzw. auf städtischer Ebene soll es künftig nur noch fünf NVO in Hessen geben. Ihre Bildung soll zur gesetzlichen Pflicht gemacht und per Zwang durchgesetzt werden - falls nötig. Ein Blick auf die Landkarte legt nahe, dass der NVV dann die entsprechende Organisation für Nordhessen wäre, die sich allerdings nicht mehr um den Schienennahverkehr kümmern dürfte - 3,6 Millionen Zugkilometer von Regiotram, Cantus-Linien und Kurhessenbahn. Dafür soll allein der landesweite Verbund mit mutmaßlichem Sitz in Südhessen zuständig sein. Da schon der Koalitionsvertrag von CDU und FDP eine stärkere Zusammenarbeit der Verbünde nahelegt, befürchten Nordhessen seit langem, dass über ihre Mobilitätsbedürfnisse künftig im Süden entschieden wird statt dort, wo man die Verhältnisse kennt.

Uwe Schmidt (SPD), Landrat des Kreises Kassel und Aufsichtsratschef des NVV, lehnt derartige Pläne deshalb strikt ab: „Wir glauben, dass der NVV gute Arbeit leistet und den ländlichen Raum hervorragend erschlossen hat“, sagte Schmidt. Man könne die Arbeit immer optimieren, „aber wir werden uns mit Händen und Füßen gegen den Zusammenschluss wehren“.  (wet)

Kommentar zum Thema

Langsam fügen sich die Puzzleteile so zusammen, dass das Bild eines Verkehrsverbundes für ganz Hessen erahnbar wird: Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) schafft einheitliche Fahrgastrechte, ähnlich wie sie beim NVV in Nordhessen gelten. Der RMV stellt einen seiner Chefs, Klaus-Peter Güttler, den Nordhessen beratend zur Seite, ohne dass dies auch umgekehrt der Fall wäre.

Und dann taucht ein Papier auf, in dem de facto die Fusion von RMV und NVV vorgeschlagen wird. Das Verkehrsministerium stimmt dem Ruf nach effizienterer Organisation bei. Wer da die Hochzeitsglocken nicht läuten hört, sollte schnell zum Ohrenarzt.

Eine Fusion muss nicht schlecht sein. Aber sie muss in diesem Fall auf Augenhöhe stattfinden und das spezielle Verkehrsangebot für den Norden garantieren. Ein Frankfurter wähnt sich im nordhessischen Nahverkehr wahrscheinlich auf Fernfahrt. Wer das Angebot im oberen Landesteil letztlich organisiert, ist der Masse der Kunden egal - Hauptsache Busse und Bahnen sind preiswert, sicher, sauber und pünktlich. (jum)

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