Interview: Umweltpreisträger Krause über den Einsatz für erneuerbare Energien

„Kirche sollte Wende nicht verpassen“

grifte / holzhausen. Den Umweltpreis der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) erhält am Sonntag Pfarrer Uwe Krause in Grifte (Schwalm-Eder-Kreis). Seit 2004 würdigt die EKKW mit dem mit 2000 Euro dotierten Preis insbesondere ehrenamtlichen Einsatz für Umwelt- und Naturschutz. Wir sprachen mit Uwe Krause.

Regenwassernutzung, Solarstrom und Warmwasser vom Dach, ein Blockheizkraftwerk, Beteiligung an einem Windpark – Sie und die Kirchengemeinden Grifte-Holzhausen und Oberelsungen sind vielfache Vorreiter. Was treibt einen Pfarrer zu solchem Einsatz?

Uwe Krause: Ganz einfach: der Glaube. Ich versuche das, was uns die Bibel sagt und ich für richtig halte, mit Außenwirkung umzusetzen. Man kann das Engagement für erneuerbare Energien auch Verantwortung für die Schöpfung nennen.

25 Jahre im Rückblick: Was war Ihr größter Erfolg, was die größte Hürde?

Krause: Es war eine Perlenkette vieler Dinge. Die Warmwasser-Solaranlage 1990 in Oberelsungen als Pilotprojekt der Landeskirche steht für eine große Kraftanstrengung, aber auch für großen Erfolg, weil es gelungen ist, die entscheidenden Gremien zu überzeugen. Und im Jahr 2000 die Photovoltaik-Anlage auf dem Grifter Gemeindehaus - auch die erste in der EKKW und gegen harten Widerstand der Denkmalspflege: Davon habe ich immer geträumt.

Gab es auch Pleiten?

Krause: Das dreirädrige Elektromobil für die Diakoniestation, das selbsterzeugter Solarstrom vom Dach antreiben sollte - damit wollten die Gemeindeschwestern nicht fahren. Ich hab’s dann selbst getestet: Es war nicht wintertauglich, und die Batterie hat permanent gemuckt. Da muss man seine Meinung dann auch mal ändern.

Man kann Zukunftsenergie-Investitionen mit Vernunft und Schöpfungsverantwortung begründen. Haben Sie Ihre Projekte auch wirtschaftlich in die Gewinnzone gebracht?

Krause: Natürlich, langfristig rechnen sich Erneuerbare Energien. Das ist uns zu Anfang oft nicht geglaubt worden. Inzwischen speist sich der Haushalt unserer Kirchengemeinde - auch Holzhausen hat Photovoltaik auf dem Gemeindehaus - schon zu einem Viertel aus Erträgen der erneuerbaren Energien. In diese Richtung müsste sich die Kirche viel deutlicher bewegen und fragen: Womit kann man Geld verdienen? Partnerkirchen ohne Kirchensteuereinnahmen tun das längst

Solarthermie, Photovoltaik, bald mehr Windkraft in der Region – fast schon Alltagsgeschäft. Haben Sie neue Ziele?

Krause: Bei uns im Dorf, in ganz Edermünde kann man inzwischen vom Photovoltaik-Boom sprechen. Private und Kommune investieren in nachhaltige Zukunft. Dafür muss ich nicht mehr trommeln. Bei der Landeskirche aber vermisse ich Projekte, die gerade nach Fukushima deutlich die aktive Beteiligung an der Energiewende in Deutschland signalisieren. Wir sollten das nicht verpassen.

Sie kennen Vorhaltungen, Pfarrer sollten sich ums Seelenheil ihrer Schäfchen kümmern, nicht um irgendwelche Ökosachen. Selbst haben Sie bei einer Preisverleihung 2003 die Frage gestellt: „Haben wir auch die Herzen der Menschen erreicht?“ Haben Sie?

Krause: Ich konnte sicher einiges anstoßen und sehe mich dadurch schon bestärkt. Aber vieles ist über die Jahre einfach auch unterschwellig vorangekommen.

Von Wolfgang Riek

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