Kind trotz Zöllibat

Kirchen-Eklat in Bayern: Priester steht zu seiner Tochter

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Spätes Bekenntnis: Priester Stefan Hartmann sprach öffentlich über seine Tochter Katharina (24).

Bamberg. Es sollte eine Mail sein, die das Leben von Stefan Hartmann verändert. „Hallo, ich bin deine Tochter und würde dich gern kennenlernen“, schreibt die damals 15-jährige Katharina Philipp ohne allzu große Hoffnungen. Denn eigentlich dürfte sie nicht auf der Welt und ihr Vater nicht ihr Vater sein.

Der 59-Jährige ist katholischer Pfarrer und hat sich damit für ein Leben im Zölibat verpflichtet. Der E-Mail-Kontakt liegt inzwischen zehn Jahre zurück. Vor wenigen Tagen offenbarte der Priester in einer TV-Talkshow der Öffentlichkeit seine Sünde, die er nicht als solche sieht. Das Zölibat geißelt er unter großem Applaus aus dem Publikum als „Anachronismus, der der Kirche schadet“. Nicht ein Kind zu zeugen sei eine Sünde, sondern dessen Verleugnung.

Bei Hartmanns Vorgesetzten in Bamberg löst dessen Medienoffensive hingegen keinen Applaus aus. Zwar weiß das Bamberger Bistum seit fünf Jahren von Hartmanns Tochter, dessen Kritik am Zölibat ist für sie allerdings Grund genug für einen Mahnbrief. Durch seine medialen Äußerungen verursache er „Schaden und Verwirrung für die kirchliche Gemeinschaft.“ Ab sofort habe er sich „jeder Äußerung zum Zölibat zu enthalten“.

Katharina Philipp

Der Priester wertet das Sprechverbot als verordneten Maulkorb, er sucht das Gespräch mit Erzbischof Ludwig Schick. Der Bamberger Oberhirte zeigt Verständnis für Hartmanns Situation: Es sei bedauerlich, dass der Mahnbrief den Eindruck eines Sprechverbots erwecke. Natürlich dürfe Hartmann über seine Tochter sprechen. In Zölibat-Fragen solle er jedoch nicht mehr das „mediale Rampenlicht suchen“. Für Hartmann ist die Einigung ein annehmbarer Kompromiss. Immerhin darf er sich guten Gewissens zu seiner heute 24 Jahre alten Tochter bekennen, die aus einer Liaison mit einer jungen Gemeindereferentin entstand.

Ende der 80er-Jahre lernt Hartmann die lebenslustige Frau in seiner damaligen Pfarrei im Bistum Trier kennen. Noch bevor der junge Priester von der Schwangerschaft erfährt, ist die Beziehung beendet. Aus Angst vor beruflichen Konsequenzen verdrängt er seinen Nachwuchs, schickt eine Bekannte mit Blumen ins Krankenhaus, überweist Monat für Monat heimlich Alimente.

Heute engagiert sich die junge Frau im Netzwerk „wirundjetzt“, ein Verein junger Menschen, der Aufbauhilfe in Afrika leistet, wo sie momentan lebt. Ihre Mutter verstarb 2009 an Brustkrebs.

Hartmann setzt jetzt große Hoffnungen auf Papst Franziskus. „Es gibt die Chance, dass dieser Papst eine befreiende Wirkung auf die Kirche hat. Ich hoffe, dass nun auch die Bischöfe den Mut haben, etwas zu sagen.“

Hartmanns Facebook-Profil

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