Ein Blick auf die Geschichte

Klein-Atlantis am Edersee lockt Tausende

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Postkarte von 1955: Im Vordergrund der Aselstein beim heutigen Asel-Süd, am linken Bildrand in der Mitte ist die alte Aseler Brücke zu sehen.

Um das mythische Inselreich Atlantis, das versunken sein soll, ranken sich Sagen. Realer ist es in Klein-Atlantis am Edersee. Dort wurden für die Talsperre  Dörfer umgesiedelt - ihre Reste auf dem Grund  faszinieren Besucher.

Lexikonwissen:

Der Edersee im Regiowiki

Versunkene Welten haben ihren eigenen Reiz. Wer ihn dieser Tage erleben will, muss keine weite Reise machen. Klein-Atlantis liegt in Nordhessen, am Edersee. Die lange Trockenperiode, die am Wochenende jäh endete, und das Ablassen von Wasser aus der Talsperre haben den Pegel so stark sinken lassen, dass die versunkene Brücke von Asel wieder freiliegt - und nicht nur bestaunt, sondern auch begangen werden kann.

Tausende Besucher waren dieser Tage auf dem Grund des Sees. Der Andrang war so stark, dass es Verkehrsprobleme gab, es wurden Behelfsparkplätze angelegt. Wo sonst Wasser tost, waren Eisbuden aufgebaut, mit Drohnen wurden Luftbilder geschossen. Wir blicken in die spannende Geschichte der Brücke.

• Die Planung: 

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts erste Pläne geschmiedet worden, eine Talsperre für die Eder zu errichten, lagen die kleinen Dörfer Asel, Berich und Bringhausen verträumt an dem Flüsschen. Wenige hundert Menschen wohnten hier in kleinen Gehöften und Häusern. Schnell wurde klar: Wenn erst das Wasser zu einem riesigen See gestaut wird, müssen die Dörfchen weichen. Aber eben doch nicht ganz.

• Die Umsiedlung: 

700 Menschen in über 150 Häusern verloren im Zuge der Flutung ihre angestammte Heimat. Bringhausen wurde abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgebaut, ähnlich war es mit Berich: Der Ort entstand in der Nähe von Bad Arolsen völlig neu. Am meisten blieb von Asel, dem Dorf, das an beiden Seiten der Eder lag und durch die 60 Meter lange, vierbogige Brücke verbunden war. Der südliche Teil des Ortes war lediglich ein Gutshof. Die Brücke versank im Wasser, aber nicht für immer. In Sommern wie diesen taucht sie auf. Die Kirche des alten Asel, die im Stausee untergegangen wäre, wurde von der Gemeinde Lehnhausen (heute ein Ortsteil von Gemünden im Kreis Waldeck-Frankenberg) gekauft und 1915 als Schule wiederaufgebaut.

• Die Brücke heute: 

Die alte Brücke ist noch komplett erhalten und steht unter Denkmalschutz. Sie ist bei Niedrigwasser begehbar und darf dann auch mit Fahrrädern befahren werden. Lediglich die beiden Geländer wurden aus Sicherheitsgründen abgerissen, Die Brücke ist trotz der Wassermassen, unter denen sie normalerweise begraben ist, noch gut erhalten. Sie wurde in den Jahren 1982 und 1989 restauriert. Außerdem gibt es in Klein-Atlantis noch ein kleines Modell der Sperrmauer, alte Wege und Ruinen von Häusern. Auch Mauerreste der alten Bericher Klosterkirche sind noch zu sehen. Heute gehört Asel zu Vöhl und besteht aus dem oberhalb des Sees neu angelegten Ortsteil Asel mit über 200 Einwohnern und Asel-Süd direkt am See. Hier wohnen nur wenige Menschen, es gibt einen Dauercampingplatz und Wochenendhäuser.

• So geht es weiter: 

Trotz des Regens der vergangenen Tage bleibt die Brücke sichtbar und auch begehbar. Der See ist momentan zu 31 Prozent gefüllt. Da der Regen schon bald wieder nachlassen und die Temperaturen wieder steigen sollen, lohnt die Reise nach Klein-Atlantis weiterhin.

Der See in Zahlen

• Der Stausee ist 28,5 Kilometer lang und 1,2 Kilometer breit. Die Uferlänge beträgt 69,5 Kilometer.

• Der Stauraum hat einen Umfang von199,3 Millionen m3.

• Die Wassertiefe bei Vollstau beträgt 41,7 Meter.

• Die Talsperre ist 48 Meter hoch (Höhe der Gründungssohle).

• Die Kronenlänge der Talsperre beträgt 400 Meter, die Breite sechs Meter.

• Die Bauwerkskrone der Talsperre liegt bei 248 Metern über dem Normalhöhennull - eine amtliche Bezeichnung für die Höhe über dem Meeresspiegel.

Die alte Aseler Brücke im Edersee: Fotos unserer Leser

Drohnenfotos: Edersee-Atlantis von oben

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