HNA-Interview

Pariser Klimagipfel: „Paris darf nicht scheitern“

Paris/Kassel. Zum Auftakt der entscheidenden zweiten Woche beim Pariser Klimagipfel hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine faire Einigung gefordert. Wir fragten einen Gipfelteilnehmer aus Kassel nach Details zum Sachstand vor dem Endspurt.

Herr Alcamo, welche Neuigkeiten bringen Sie zum Klimagipfel-Endspurt aus Paris mit? 

Joseph Alcamo: Ein paar gute, ein paar schlechte: Eigentlich wollten wir zum Wochenende einen fast fertigen Vertrag haben. Jetzt gibt es leider noch jede Menge strittige Formulierungen. Immerhin haben wir alles auf nur noch 20 Seiten gekürzt. Klar ist: Es gibt diese Woche noch viel zu tun für die Minister aus aller Welt.

Und die guten Nachrichten? 

Alcamo: Alles ist klarer formuliert - auch die Meinungsunterschiede. Hört sich seltsam an, aber sogar das ist unter 195 Ländern ein großer Fortschritt. Und über allem spürt man endlich den Willen zur Zusammenarbeit, die Erkenntnis: Paris darf kein zweites Kopenhagen werden, Paris darf nicht scheitern.

Was sind die großen strittigen Brocken? 

Alcamo: Geld natürlich: Was zahlen reiche Länder den armen für Klimaschutz und Klimaanpassung? Was zahlen reiche Länder den armen für deren Klimaschäden? Für die Industrienationen ist neben den Summen die juristische Grundlage genauso wichtig: Zahlen sie eher freiwillig oder als verbindliche Wiedergutmachung?

Bleibt es beim 2-Grad-Ziel als der kritischen Grenze, die die Erderwärmung nicht überschreiten soll? 

Alcamo: Das wird wohl bleiben. Klimawandel ist aber ja schon jetzt überall sichtbar: Denken Sie nur an zunehmende Trockenheit und Überschwemmungen, an schrumpfende Eismassen in der Arktis und auf Gletschern. Deswegen wird überlegt, auch das strengere 1,5-Grad-Ziel in den Vertrag zu bringen - oder irgendwas dazwischen.

Wie werden die Vereinbarungen von Paris überprüft? 

Alcamo: 170 Länder haben freiwillig gemeldet, wie sie im Klimaschutz vorangehen wollen. Die Umsetzug muss regelmäßig überprüft werden, um zu zeigen: Das war zugesagt - und so viel ist geschafft.

Was machen Sie in Paris eigentlich genau? 

Alcamo: Ich bin wissenschaftlicher Berater von Christiana Figueres. Sie ist die Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNCCC) und arbeitet dicht mit Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, um die Verhandlungen zu leiten. Die UNCCC sitzt in Bonn und gibt eine Art Rahmen für die globalen Klimaabkommen. In Verhandlungssitzungen biete ich wissenschaftliche Expertise für den Vertragstext an. Außerdem vertrete ich Generalsekretärin Figueres bei Treffen internationaler Organisationen am Rand des Gipfels.

Zur Person

Prof. Dr. Joseph Alcamo (64), geboren in New York, hat Umwelttechnik studiert. Er leitet das Wissenschaftliche Zentrum für Umweltsystemforschung (CESR) der Uni Kassel. Von 2009 bis 2013 war Alcamo Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) in Nairobi (Kenia). Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Von Wolfgang Riek

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