Beschäftigungsgarantie in Marburg läuft aus

Kliniken verlieren 250 weitere Jobs

Bettina Böttcher Foto: zgc

Marburg. Vor vier Jahren wurde die Uniklinik Marburg mit der in Gießen fusioniert und an die Rhön AG verkauft. Bis heute ist es das bundesweit einzige Universitätsklinikum, das privatisiert wurde. Dass die Klinik zur Ruhe kommt, ist auch in den nächsten Monaten nicht zu erwarten. Ende dieses Jahres läuft die mit dem Land vereinbarte Beschäftigungsgarantie für die Mitarbeiter aus. Dann sind auch betriebsbedingte Kündigungen möglich. An beiden Standorten sollen bis zu 250 Stellen abgebaut werden.

„Es war ein Umsturz“, sagt Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher über die Privatisierung der Unikliniken. Die heute 50-Jährige hat das Universitätsklinikum Marburg durch die schwierigste Zeit begleitet.

Aus dem Personalrat wurde ein Betriebsrat. An beiden Standorten wurden insgesamt rund 500 Stellen abgebaut – und das bei steigenden Patientenzahlen. Der Ton wurde rauer, die Konkurrenz untereinander größer. Schwestern und Pfleger haben immer weniger Zeit für die Patienten. Viele berichten dem Betriebsrat, dass sie ihre Arbeit kaum noch schaffen. „Die Stimmung ist deutlich schlechter“, sagt Böttcher.

Hart getroffen hat es vor allem die Pflegekräfte. Anfangs seien Stellen nach der Rasenmäher-Methode gestrichen worden, kritisiert Böttcher: „Da wurde die Qualität der Pflege so schlecht, dass wir bis heute Schwierigkeiten haben, Nachwuchs zu bekommen.“ Eine echte Personalentwicklung vermisst sie. Auch die Entscheidungswege seien im privatisierten Uniklinikum nicht kürzer geworden. Größter Lichtblick: Die zugesagten Investitionen hat die Rhön AG tatsächlich in beeindruckendem Tempo umgesetzt. Bitter für die Mitarbeiter: Wer ausscheidet, wird durch befristet angestellte Leiharbeiter ersetzt. (zgc)

Von Gesa Coordes

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