Ermittlungen gegen Vorstandschef Haun eingestellt

Anklage Steuerhinterziehung: Ex-KMW-Manager ab 19. Oktober vor Gericht

Kassel/München. Ein früherer Manager des Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus Kassel soll ab 19. Oktober vor dem Landgericht I in München stehen. Das bestätigte eine Justizsprecherin auf HNA-Anfrage. 

Vorwurf der Anklage: Verdacht der Steuerhinterziehung. Der Mann soll bei einem 200-Millionen-Euro-Deal mit Griechenland im vorigen Jahrzehnt in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Beim Verkauf von 24 Panzerhaubitzen, glauben die Fahnder, sorgten KMW-Leute dafür, dass nach Schmiergeldzahlungen über sogenannte Kick Backs auch bei ihnen selbst Geld hängenblieb.

Die Athener Justiz geht seit Jahren dem Verdacht nach, dass Staatsbedienstete und Militärs in Griechenland bei der Lieferung der KMW-Panzerhaubitzen - und nicht nur dabei - die Hand aufhielten. Seit Anfang 2015 sitzt der frühere KMW-Manager in Untersuchungshaft. Nach deutschem Recht wäre Korruption verjährt, Schmiergeld an der Steuer vorbei zu kassieren aber nicht.

Derzeit befragen Richter und Staatsanwälte in Athen geständige Amtsträger und Geschäftsleute, die den Ex-KMW-Mann belastet haben sollen. Darunter soll nach Angaben der Süddeutschen Zeitung (SZ) auch Antonis K. sein, der von 1997 bis 2002 hochrangig Rüstungskäufe sortierte und selbst mit Millionen geschmiert wurde. K. legte Fahndern eine Liste mit 17 Firmenvertretern vor: Sie alle sollen Entscheidungen für dieses oder jenes Waffensystem illegal mit Geld befördert haben.

Auch der griechische Unternehmer Dimitris P., der laut SZ die Kasseler Firma Wegmann vor der Fusion zu KMW in den 1990ern vertreten hat, stand auf der Liste. Er soll mit 750 000 Euro an Antonis K. den Panzerhaubitzen-Deal eingefädelt haben. Gut eine Million Euro wären nach diesen Listen bei dem Ex-KMW-Manager gelandet, dem nun in München dr Prozess gemacht wird. Weil er einer Vorladung der griechischen Justiz nicht folgte, erging im März 2014 internationaler Haftbefehl.

Frank Haun

Unterdessen hat die Münchener Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen KMW-Chef Frank Haun eingestellt. Die Anklagebehörde hatte auch den Spitzenmanager im Zusammenhang mit dem Rüstungsgeschäft in Griechenland der Steuerhinterziehung verdächtigt. Haun sei zum fraglichen Zeitpunkt 2004/2005 aber noch nicht verantwortlich gewesen, weil er erst sei 2006 die Geschäftsführung leitet, so gestern die Anklagebehörde. Auch eine mutmaßliche Bestechung griechischer Amtsträger ist vom Tisch - sie wäre ohnehin verjährt. (mit dpa)

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