Bald weniger Operationen für Rentner?

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Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr verspricht eine ausreichende Behandlung.

Berlin - Trotz der Koalitionspläne, die Zahl der Operationen in Deutschlands Krankenhäusern zu verringern, sollen Patienten auch künftig alle notwendigen Behandlungen erhalten.

Zu Beginn des Deutschen Seniorentages ist eine Debatte über die medizinische Versorgung älterer Menschen entbrannt. Die Deutsche Hospiz Stiftung verlangte am Donnerstag Reformen in der Pflege älterer Menschen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr versicherte wiederum, auch in Zukunft würden Senioren notwendige Hüft- und Knieoperationen bezahlt. In Deutschland könne sich “jeder darauf verlassen“, die notwendige Behandlung und Operation zu erhalten, sagte der FDP-Politiker der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.

Der Minister bezeichnete einen Bericht der “Bild“-Zeitung, wonach künftig nicht mehr jede Operation bezahlt werden soll, als “vollkommenen Unsinn“. Vielmehr habe die Koalition gerade beschlossen, den Krankenhäusern mehr Geld zu geben, “damit sie eine gute Versorgung für jedermann weiterhin gewährleisten“, betonte Bahr.

Auch Unionsfraktions-Vize Johannes Singhammer (CSU) wies den Zeitungsbericht als unrichtig zurück. “Die Debatte geht in eine völlig falsche Richtung“, sagte Singhammer dem “Münchner Merkur“ (Freitagausgabe). Die Regierung wolle Senioren nicht notwendige Operationen versagen. “Es geht darum, unnötige Operationen zu vermeiden - ganz unabhängig vom Alter der Patienten.“ Eine Operation bleibe auch in Zukunft eine “reine Arztentscheidung“, bekräftigte Singhammer.

Laut Statistischem Bundesamt wurden in Deutschland im Jahr 2010 insgesamt rund 214.000 künstliche Hüftgelenke sowie rund 158.000 Kniegelenke implantiert. Im Jahr 2005 hatte die Zahl der Hüftgelenke noch rund 194.000 betragen; mit insgesamt rund 129.000 fiel auch die Zahl der implantierten Kniegelenke niedriger aus.

“Das menschliche Leid lässt sich nicht beziffern“

Die Deutsche Hospiz Stiftung forderte die Politik derweil auf, “Fehlentwicklungen im medizinischen Alltag von Krankenhäusern zu korrigieren“. So sei seit Jahren bekannt, dass beispielsweise Mängel in der Pflege zu einer erhöhten Zahl an Stürzen bei pflegebedürftigen Menschen führen, hieß es in einer Erklärung. “Doch in der Praxis wird daran nichts geändert.“

Die Stiftung erhob den Vorwurf, sowohl Pflegeheime als auch Krankenhäuser profitierten von der Situation: “Das Krankenhaus kann die Fallpauschale abrechnen, und das Pflegeheim erhält einen höheren Pflegesatz.“ Die Behandlung einer Hüftfraktur koste rund 8.300 Euro, auf 600 bis 1.000 Euro beliefen sich die durchschnittlichen Kosten für die Folgen eines Sturzes, unabhängig davon, ob ein Knochenbruch aufgetreten sei. Derzeit würden bei den Pflegeheimbewohnern mehr als eine Million Stürze registriert. “Dies kostet eine Milliarde Euro - das menschliche Leid lässt sich nicht beziffern“, hieß es.

Zum zehnten Deutschen Seniorentag in Hamburg, der am Donnerstag von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet wurde, werden mehr als 20.000 Besucher erwartet. Am Freitag will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu den Senioren sprechen.

dapd

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