Kagida-Demonstration

Interview: Warum der Kölner Dom dunkel blieb

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Köln. Der Kölner Dom, aber auch weitere Gebäude, die auf dem Weg der Kögida-Demonstration lagen, blieben Montagabend im Dunkeln. Die Außenbeleuchtung wurde abgeschaltet. Dazu ein Interview mit einem Kirchenvertreter.

Wir sprachen mit Johannes Schröer vom Kölner Domradio über die Bedeutung der Aktion und über die Kritik, die sich die katholische Kirche damit einhandelte.

Wie einig sind sich die Kölner Katholiken gegen Kögida?

Johannes Schröer: Die Amtskirche ist sich sehr einig. Dazu gehören der Dompropst, das Domkapitel, der Erzbischof und der Katholikenausschuss. Die Aktion ging vom Domkapitel beziehungsweise vom Dompropst aus, zu sagen: Nein, wir wollen keine helle Kulisse sein für die Kögida-Demonstration. Der Entscheidung haben sich sofort auch alle katholischen Verbände angeschlossen. Das ist im übrigen eine ökumenische Koalition, zu der auch die evangelische Kirche gehört. Es gibt aber auch einzelne Katholiken, die sich hinsichtlich dieser Entscheidung beschweren.

Einzelne Katholiken sollen wegen der Licht-aus-Aktion aus der Kirche ausgetreten sein oder damit gedroht haben. Was stört diese Gläubigen an der Aktion der Kirche?

Schröer: Die Kritik lautet, dass das Licht des Doms auch bei anderen Demonstrationen nicht ausgeschaltet wird. Die Demonstration sei genehmigt. Man müsse die Bedenken der Kögida durchaus ernst nehmen, und es gibt nach Meinung der Kritiker keinen Grund, jetzt auf einmal ein solches Zeichen zu setzen, das doch recht einmalig ist. Das werde der Sache und auch einer in einem freiheitlichen Rechtsstaat genehmigten Demonstration nicht gerecht, die Kundgebung so eindeutig abzulehnen.

Was will das Bistum mit der Licht-aus-Aktion erreichen?

Schröer: Erstens möchte man für die Demonstration keine helle Kulisse bieten. Gerade weil die Demonstranten auch religiös gegen die Islamisierung des Abendlandes argumentieren. Dahinter soll nicht der Dom als christliches Symbol stehen. Hinter der Aktion steht aber auch die Aussage: Liebe Menschen, passt auf, wem ihr da hinterherlauft. Entscheidend ist, dass man den Dom nicht als Bildgeber für solche Gruppen hergibt.

Sehen Sie irgendetwas Gutes an Kögida?

Schröer: Das einzig Gute ist, dass es eine Selbstvergewisserung unserer demokratischen Tugenden zeitigen kann. Die vielen Gegendemonstrationen zeigen, wie stabil unsere Demokratie ist und wie gut sie funktioniert. Und dass man auch dazu kommt, gewisse Sachen zu tabuisieren. Man kann nicht wieder anfangen, rassistische Dinge auszukramen und damit auf die Straße gehen. An Pegida selbst kann ich nichts Gutes finden.

Von Miriam Linke

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