Airlines dürfen Zuschläge verlangen

EU-Gericht: Koffer im Flieger kosten extra

Brüssel/Luxemburg. Das Flugticket war preiswert, aber für einen oder gar mehrere Koffer verlangt die Fluggesellschaft Zusatzkosten. Was viele Urlauber ärgert, haben die Richter des Europäischen Gerichtshofes  (EuGH) in Luxemburg am Donnerstag ausdrücklich gutgeheißen.

Denn „die Beförderung des aufgegebenen Gepäcks von Fluggästen ist kein unvermeidbarer und unvorhersehbarer Bestandteil des Preises für den Luftbeförderungsdienst“.

Das heißt: Handgepäck oder am Airport gekaufte Waren dürfen mitgenommen werden, ohne dass ein Zuschlag fällig wird. Koffer oder andere Gepäckstücke jedoch nicht.

Auslöser des Rechtsstreits war eine Klage aus Spanien. Dort hatte sich eine Urlauberin beschwert, weil die Fluggesellschaft Vueling  für die Aufgabe mehrerer Koffer 40 Euro Zuschlag zum Billigticket (241,48 Euro für vier Personen) erhoben hatte. Tatsächlich verbietet nämlich ein Gesetz auf der iberischen Halbinsel derartige Zusatzkosten. Das zuständige Gericht in Madrid wollte nun vom EuGH wissen, ob die landeseigene Regelung möglicherweise dem im EU-Recht festgeschriebene Prinzip der freien Preisgestaltung widerspreche.

Die Antwort der Luxemburger Juristen war ein klares Ja. Denn, so der EuGH in einer Erklärung zum Urteil, es gebe genügend Passagiere, die ohne Gepäck oder nur mit einem kleinen Handkoffer reisen, um so Kosten für ihr Ticket zu verringern. Diese Kabinen-Trolleys müssten als „unverzichtbar“ angesehen werden und seien deshalb im Flugpreis enthalten. Das gelte jedoch nicht für weitere Gepäckstücke. Dafür würden Fluggast und Airline sozusagen einen eigenen, zusätzlichen Beförderungsvertrag abschließen, da die Mitnahme auch Extra-Aufwand erfordere. Die Kosten könne das Unternehmen festlegen. Somit widerspreche die spanische Regelung diesem Grundsatz und muss korrigiert werden.

Ausdrücklich betonte der EuGH, dass derartige Grund- und Zusatzleistungen von den Gesellschaften deutlich und transparent gemacht werden müssen - und zwar vor Beginn jeder Buchung.

Zu dieser Vorinformation zählt nach Auffassung des EuGH übrigens auch das Recht einer Airline, für Handgepäck bestimmte Maße sowie eine Gewichtsobergrenze vorzuschreiben.

Zu schweres oder gar überdimensioniertes Gepäck dürfe durchaus von einer Mitnahme an Bord ausgeschlossen werden. Diese Vorgaben zu kontrollieren, sei Sache der nationalen Behörden. (Aktenzeichen: EuGH Rechtssache C-487/12)

Von Detlef Drewes

Rubriklistenbild: © dpa

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