Erster Besuch nach zehn Jahren

Kohl mit viel Beifall bei Union empfangen

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Altbundeskanzler Helmut Kohl (M) besucht am Dienstag im Reichstag in Berlin die Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder begrüßten ihn.

Berlin - Helmut Kohl bereitet manchem in der Union immer noch Gänsehaut. Bei seinem ersten Auftritt vor der Fraktion nach zehn Jahren bekennt er sich zu seiner politischen Heimat. Die Spendenaffäre war kein Thema.

Es sind nur knapp 20 Minuten. Helmut Kohl ist nach zehn Jahren erstmals wieder in der Unionsfraktion. Im Gram über die CDU-Spendenaffäre war er 2002 aus dem Bundestag ausgeschieden. Jetzt ist der langjährige Vormann seiner Partei zurück und sagt Sätze wie diesen: „Ich bin zu Hause, wenn ich hierherkomme. Das ist meine innere Bindung“. So berichten es Teilnehmer der nichtöffentlichen Sitzung. Viele sind beeindruckt, manche ergriffen.

Ein Abgeordneter sagt: „Eigentlich so wie in alten Zeiten: Beifall, alle stehen auf, und dann spricht der Altkanzler.“ Er stellt allerdings einen „dramatischen Unterschied“ zu Kohls einstigen Auftritten in der Fraktion fest, als er noch gesund war.

Nur wenige stimmen nicht in den großen Beifall zur Begrüßung ein, als der 82-Jährige in Begleitung seiner Frau Maike im Rollstuhl in den großen Unions-Sitzungssaal im Reichstag kommt. Sie bleiben sitzen wie Ex-Minister Norbert Röttgen.

Das war die Ära Helmut Kohl

Das war die Ära Helmut Kohl

Und einer von Kohls langjährigen Weggefährten fehlte ganz: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der eigentlich kommen wollte, dann aber zu einer Finanzminister-Konferenz nach Finnland fuhr. Sein Verhältnis zu Kohl zerbrach mit der Spendenaffäre. An diesem Mittwoch feiert die Fraktion Schäubles 70. Geburtstag. Hier hat Kohl abgesagt.

Im hellblauen Hemd und mit gelber Krawatte, blinzelt Kohl in die Schar der Kameras und Fotografen vor dem Podium. Dort nehmen ihn Fraktionschef Volker Kauder und Angela Merkel in ihre Mitte, seine Doppelnachfolgerin als Kanzlerin und Parteivorsitzende. Die Fraktion feiert Kohl für dessen 16-jährige Kanzlerschaft, die vor 30 Jahren begann, am 1. Oktober 1982.

Kauder sagt zu dem Parteiveteranen: „Der Beifall hat es gezeigt, Sie gehören ganz fest in unsere Mitte.“ Der eine oder andere mag immer noch auf eine Versöhnung mit Kohl hoffen. Er hatte die Partei 1999 in eine ihrer größten Krisen gestürzt, als bekannt wurde, dass er am Gesetz vorbei Geld für die Partei angenommen hatte. Angela Merkel forderte die CDU damals als Generalsekretärin auf, sich von dem Übervater zu lösen.

Kohl, der seit einem Sturz 2008 im Rollstuhl sitzt und nur schwer sprechen kann, liest von einem Manuskript mit großer Schrift ab. Der langjährige CDU-Vorsitzende sagt, die Unionsfraktion habe großen Anteil an der friedlichen Entwicklung Europas. Er mahnt: „Wir müssen den Frieden bewahren in Europa. (...) Wir müssen in der Krise zusammenstehen und die Krise gemeinsam bewältigen.“ Das bedeute die Bereitschaft, sich gegenseitig anzunehmen.

Bilder vom Empfang in Berlin

Erstmals nach zehn Jahren: Altkanzler Kohl besucht Unionsfraktion

Dann sagt er noch, CDU und CSU hätten viel für Deutschland getan - und für Griechenland. Das haben aber nicht alle so gehört.

Kauder sagt an Kohl gerichtet: „Angela Merkel ist da, um Europa auf diesem positiven Kurs zu halten, den sie eingeschlagen haben.“ Merkel ist auch da, sagt aber vorerst nichts. Sie hält beim Festakt der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung für Kohl an diesem Donnerstag eine Rede. Auch sie dürfte die Spendenaffäre kaum ansprechen. Eine Aussöhnung mit Kohl, der über den Skandal den CDU-Ehrenvorsitz verlor, aber vermutlich auch nicht.

dpa

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