Kommentar zu judenfeindlichen Protesten: "Nicht schweigen"

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Jörg S. Carl.

Es ist Hass, der sich in Deutschland, Frankreich und Österreich entladen hat. Nicht nur Bilder von der Jagd auf israelische Fußballer zeigen, dass es sich vielfach um angestauten Hass mit Migrationshintergrund handelt. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenredakteur Jörg S. Carl.

Der Krieg in Gaza dient dann als Anlass, nicht gegen Israels Politik zu protestieren, sondern das Judentum zu verteufeln.

Fast eine Woche hat es gedauert, bis sich hierzulande die Spitzen aus Staat und Gesellschaft öffentlich gegen den Anti-Judaismus gestellt haben. Auch muslimische Verbände haben das inzwischen getan. Das ist gut so – besser spät als nie. Hier lebenden Muslimen, denen es noch nicht bewusst sein sollte, muss gesagt werden: Das Existenzrecht Israels steht nicht infrage. Und Radikalen unter ihnen, die zum religiösen Furor neigen, sollte klar gemacht werden – auch in ihren Moscheen –, dass der Islam nicht wertvoller ist als andere Weltreligionen.

Selbstverständlich gilt das auch umgekehrt. Die Ächtung des Anti-Judaismus darf nicht zu anti-islamischem Rassismus missbraucht werden. Und: Sie darf nicht als Schweigegebot missverstanden werden. Israels Regierung führt einen Krieg, in dem vor allem Zivilisten unsäglich leiden. Auch die radikalen Palästinenser führen Krieg, indem sie einen Staat mit Tausenden Raketen terrorisieren. Die Schuldfrage zu stellen, ist vergebens, weil der Krieg nicht vor 18 Tagen begonnen hat, sondern vor Generationen.

Wer dennoch meint, seine Kritik bequemerweise auf Israel beschränken zu können, sollte zumindest hier ansetzen: Wenn Israels Regierungen auch künftig die Besatzung nicht aufgeben und dadurch eine Zwei-Staaten-Lösung verhindern, wird das Land in immer neuen Kriegen ausgezehrt werden – und am Ende der Verlierer sein.

Mail an den Autor: jsc@hna.de

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