Kommentar zu Prora: Luxusleben im Nazi-Bau

Lange war das einst von Nationalsozialisten geplante Mammut-Projekt in Verruf geraten. Dann nutzten Sowjetarmee und die NVA das Gelände. Nachdem sich Privatinvestoren engagierten, scheint Prora wieder eine vielversprechende Zukunft zu haben. Dazu ein Kommentar von Jan Schlüter.

Man muss einmal mit dem Fahrrad auf der alten Betonpiste an dem Mammutbau von Prora entlanggefahren sein, um die wahre Dimension dieses Gebäudekomplexes zu begreifen. Mit einer Gesamtlänge von 4,5 Kilometern dürfte es zu den längsten Bauwerken weltweit zählen: Gigantismus als Ausdruck nationalsozialistischer Machtdemonstration.

In kürzester Zeit mauerten Bauarbeiterkolonnen den gewaltigen KdF-Bau in die Dünenlandschaft an Rügens schöner Ostseite. Meerblick für alle in gleich großen Zimmern in gleich großen Häuserriegeln. Staatlich organisierte und perfekt überwachte See-Erholung – ganz im Nazi-Stil.

Das wegen des Krieges nie vollendete Projekt überforderte schlichtweg wegen seiner Dimension die DDR, und auch nach der Wende gab es trotz der exquisiten Lage zunächst kaum Interesse an der Riesen-Immobilie.

Es wäre sicher interessant gewesen, das unter Denkmalschutz stehende Ensemble als einmaliges Zeugnis größenwahnsinniger Nazi-Bauwut in seinem tristgrauen Urzustand zu erhalten. Doch selbst das überforderte die öffentliche Hand. So wird jetzt manch schlichter Schlafraum zu einer edlen Suite. „Individuelle Wohnkonzepte“ heißt das in der Sprache der Makler und Projektentwickler.

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