Die Unzufriedenheit der Menschen ist groß

Kommentar zu den Unruhen im Iran: Die Furcht weicht

Fast genau sieben Jahre ist es her, dass sich der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi aus Protest gegen Behördenwillkür mit Benzin übergoss und wenige Tage später in einer Klinik starb. Ein Kommentar dazu von Wolfgang Blieffert.

Sein Tod löste eine Revolution aus, deren Funke in zahlreiche Länder der Region übersprang und Staaten wie Ägypten, Jemen, Libyen und Syrien grundlegend verändert hat, aber nur selten zum Guten. Welches Schicksal steht dem Iran bevor?

Auch im Land der Ayatollahs ist die Unzufriedenheit der Menschen groß. Präsident Ruhani hat die in ihn gesetzten Erwartungen enttäuscht, der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Abbau internationaler Sanktionen blieb aus. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Versorgungslage kritisch. Und vor allem die Jugend lechzt nach politischen und kulturellen Freiheiten, begehrt zunehmend auf.

Allerdings gibt es ein Problem: Der iranischen Opposition fehlt es an politischen Köpfen, an strategisch denkenden Führern, an Verbündeten im und Unterstützern außerhalb des Landes. Dagegen steht die Übermacht der iranischen Eliten: Der Klerus ist im sogenannten Gottesstaat unangreifbar, die Revolutionsgarden haben die Macht über die Waffen, korrupte Kräfte haben kein Interesse an Liberalität und Demokratie.

Ob aus dem Protest eine Revolte, gar eine Revolution wird, ist vor diesem Hintergrund also zweifelhaft. Die Furcht vor Polizei und Geheimdienst mag zwar gewichen sein, an ihre Stelle ist nur der Mut der Verzweifelten getreten. 

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