Keine Tragödie, sondern Massenmord

Kommentar zum Abschuss von Flug MH17: Putins Verantwortung

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Werner Kolhoff über den Abschuss

Prorussische Separatisten in der Ukraine haben nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes sehr wahrscheinlich den malaysischen Passagierjet mit 298 Menschen an Bord abgeschossen. Dazu ein Kommentar von unserem Berlin-Korrespondenten Werner Kolhoff.

Der Abschuss einer Zivilmaschine mit völlig unbeteiligten Menschen aus völlig unbeteiligten Ländern ist keine Tragödie, sondern Mord, Massenmord. Er ist ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben in der Welt, also auf unsere Zivilisation. Es ist wahrscheinlich, dass russische Separatisten in der Ostukraine die Täter waren, mit mindestens klammheimlicher Hilfe Moskaus.

Und doch muss man davor warnen, jetzt Reflexen zu folgen. Etwa dem sofortigen Anziehen der Sanktionsspirale gegen Russland oder Waffenlieferungen an Kiew. Es besteht die Möglichkeit, ja sogar eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Flug MH17 am Donnerstag das Opfer eines Kriegsversehens wurde, eines Zustandes, in dem erst geschossen und dann nachgedacht wird. Umso mehr ist der Zwischenfall ein Grund, die Anstrengungen zur Beendigung dieses unseligen Krieges zu verstärken.

Der Konflikt in der Ukraine destabilisiert schon länger Osteuropa und tangiert die Märkte. Nun aber bedroht er die ganze Weltgemeinschaft, und zwar physisch. Nur einer kann diesen Konflikt wirklich stoppen, nämlich der, der ihn ausgelöst hat: Wladimir Putin.

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Die Separatisten selbst werden nicht von sich aus aufhören. Das sind Desperados des russischen Nationalismus. Putin kann nicht sagen, dass sein Land mit dem Abschuss nichts zu tun habe - das immer hemmungslosere Vorgehen der Separatisten, zu Lande und in der Luft, ist erst mit Waffen, Logistik und Kämpfern aus Russland möglich geworden. Putin hatte alle Möglichkeiten, den Zustrom zu beenden, doch er nutzte sie bisher nicht, weil er den Konflikt heiß halten und die Ukraine destabilisieren wollte. Jetzt ist diese Strategie schief gegangen, 298 unbeteiligte Menschen sind tot. Das ist allein die Verantwortung des russischen Präsidenten. Er hat mit Streichhölzern gespielt und Feuer verbreitet. Es sind seine Toten.

Russland muss nun aufgefordert werden, die Grenzen für Waffenlieferungen wirksam zu schließen und die Kooperation mit den Rebellen einzustellen. Ihre politischen Vertreter müssen Gespräche mit Kiew und Moskau über eine Friedenslösung aufnehmen. Wenn Moskau dem nicht folgt, sind massive Sanktionen unausweichlich - ohne Wenn und Aber.

E-Mail an den Autor: nachrichten@hna.de

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