Kommentar zur Abwertung des chinesischen Yuan: Der Elefant bewegt sich

Wer wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen will, muss fragen, wo welche Interessen wirken. China denkt jedenfalls bei der wiederholten Abwertung seiner Währung zuerst an sich. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Zu simpel ist jedenfalls die Klage des US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump, Peking riskiere mit der Abwertung des Yuan aus politischem Kalkül einen globalen Währungskrieg. Im Gegenteil: Peking müht sich seit Jahren um Anerkennung seiner Währung als weltweite Reservewährung neben dem Dollar. Wie vom Internationalen Währungsfonds gefordert, hat China seinen Yuan deshalb stetig aufgewertet - gegenüber dem Dollar, und damit erst recht gegenüber dem Euro.

Dass das stabilitätsfixierte Peking seine Währung nun wieder abwertet, entgegen der Ankündigung am nächsten Tag gleich noch einmal, das hat Anlass und Ursache. Der Anlass ist die Absage des IWF, den Yuan schon in diesem Jahr in den internationalen Währungskorb aufzunehmen. Dann eben vielleicht nächstes Jahr.

Wichtiger ist die Ursache: Schon seit längerem entwickelt sich die chinesische Wirtschaft schwach. Produktionszahlen, etwa beim Stahl, Exportzuwächse und Einkäufe bleiben hinter den Erwartungen zurück. Sieben Prozent Wirtschaftswachstum - das ist die offiziell gerade noch erreichte Vorgabe aus Peking. Wahrscheinlich hat China, dessen offiziell aus den Provinzen nach Peking gemeldete Zahlen gelegentlich mehr Wunsch als Wirklichkeit zeigen, dieses Ziel sogar verfehlt.

Für Deutschland ist diese Entwicklung gut und schlecht. China ist weltweit für uns der zweitwichtigste Einkaufsmarkt: Dessen Produkte werden nun billiger. Der exportabhängigen deutschen Autoindustrie hingegen stehen im Reich der Mitte härtere Zeiten ins Haus. Ständig wird von China gefordert: Mehr Markt wagen. Ganz normal: Wenn der Elefant sich bewegt, zittert der Boden.

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