Kommentar zur ärztlichen Schweigepflicht: Restrisiko bleibt

Weil der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine wegen möglicher Suizidgefährdung behandelt wurde, ist eine Debatte über die ärztliche Schweigepflicht entbrannt. Ein Kommentar von HNA-Redakteurin Petra Wettlaufer-Pohl.

Es gehört zum politischen Alltag, dass bei schwerwiegenden Problemen umgehend gesetzliche Änderungen gefordert werden. So auch diesmal: Bei sensiblen Berufen müsse man die ärztliche Schweigepflicht lockern, fordert der Parlamentarier Dirk Fischer.

Tatsächlich fragt sich die geschockte Öffentlichkeit, wie ein einst psychisch Kranker in ein Cockpit gelangen konnte. Und doch sollte genau abgewogen werden, welche Auswirkungen eine gesetzliche Änderung der ärztlichen Schweigepflicht hätte – und ob sie den Absturz der Germanwings-Maschine hätte verhindern können.

Was etwa sind sensible Berufe? Sollen auch Busunternehmen ihre Fahrer künftig durchleuchten lassen? Wie könnten ärztliche Informationen vom Arbeitgeber genutzt werden? Gehen Menschen noch zum Arzt, wenn sie anschließend um ihren Arbeitsplatz bangen müssen?

Sicher müssen alle Beteiligten prüfen, ob man Krankheiten nicht besser erkennen kann. Psychische Probleme stehen aber niemandem auf die Stirn geschrieben. Schnell mal ein Grundrecht infrage zu stellen, hilft wenig. Auch wenn unsere mobile Gesellschaft jetzt meint, vor einem solchen Unglück müsse sie doch bewahrt werden können: Ein Restrisiko bleibt immer.

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