Kommentar zu den Äußerungen des Innenministers: "Nicht irre machen"

Unser Berlin-Korrespondent Hagen Strauß bezweifelt, dass Innenminister Thomas de Maizière mit seinen Äußerungen zur Spielabsage in Hannover der Bevölkerung einen Gefallen getan hat.

Im Zweifel für die Sicherheit. Da haben Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Thomas de Maizière völlig Recht.

Die Frage ist jedoch, wie man es anstellen kann, dass man halbwegs sicher lebt und nicht ständig in Panik gerät. Wenn die Angst vor dem Terror das Leben bestimmt, dann ist das Hysterie. Genau das wollen die Terroristen erreichen - eine Gesellschaft in ständiger Angst. Also: Weiterleben wie bisher, das ist die richtige Antwort. Und in dem Punkt hat der Innenminister ebenfalls Recht: Man sollte Vertrauen in die Sicherheitsbehörden und die Verantwortlichen haben. In ihr Können und ihre Fähigkeiten. Etwas anderes bleibt einem allerdings auch nicht übrig, wenn man sich von der Terrorgefahr nicht irre machen lassen will.

Gleichwohl gilt, dass verantwortliche Politik nicht nur die Aufgabe hat, die Bürger vor den Mörderbanden zu schützen. Sie muss zugleich dafür sorgen, dass sich die ängstliche Stimmung nicht noch weiter aufheizt. Das ist die andere Seite der Medaille.

Ob Minister de Maizière daher sich und der Öffentlichkeit mit einer seiner Äußerungen einen Gefallen getan, muss stark bezweifelt werden. Es geht nicht um die Grundsatzentscheidung, eine Veranstaltung wie das Länderspiel abzusagen, wenn sich offenkundig Hinweise auf einen möglichen Anschlag verdichten. Besser so, als hinterher Tote beklagen zu müssen.

Doch wahr ist auch: Mit seiner Anmerkung, dass ein Teil der Antworten auf die konkreten Gründe für die Absage des Spiels die Bevölkerung verunsichern würde, hat er erst das Terror-Kopfkino in Gang gesetzt und für Verunsicherung und Spekulationen gesorgt.

Dass de Maizière konkrete Erkenntnisse nicht preisgeben kann und will, ist verständlich. Es ist auch notwendig in der momentanen Gefährdungslage. Aber er hätte sich schlichtweg darauf beschränken müssen, dass jedes öffentlich verkündete Detail die Ermittlungsarbeit erschwert. nachrichten@hna.de

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