Kommentar zur AfD, CSU und der Flüchtlingsdebatte: Original und Fälschung

Die Alternative für Deutschland, die AfD, profitiert zunehmend von der Flüchtlingskrise. Dazu ein Kommentar unseres Berliner Korrespondenten Hagen Strauß.

Dass die AfD der Krisengewinnler werden würde, überrascht nicht. Die Wähler am rechten Rand treibt es allerdings in die Arme der Rechtspopulisten, ohne dass die AfD groß etwas dafür tun muss. Im Gegenteil: Die Partei bleibt weitgehend in der Deckung, sie begnügt sich mit ihrer „Das Boot ist voll“-Rhetorik. Die AfD lässt lieber andere für sich arbeiten.

Sieben Prozent in der jüngsten Umfrage, Tendenz steigend. Sicherlich zeigt die Entwicklung der Partei, dass nicht jeder in diesem Land die bislang praktizierte Willkommenskultur teilt. Das wäre auch ein Wunder. Aber das Anwachsen der AfD ist zu einem erheblichen Teil auch eine Niederlage für Horst Seehofer. Der Konfrontationskurs des CSU-Chefs zur Flüchtlingspolitik der Kanzlerin mit dem Ziel, rechts neben der Union niemanden erstarken zu lassen, hat sich als untauglich erwiesen. Dafür gibt es Gründe, die der Politprofi Seehofer eigentlich kennen müsste.

Zu durchsichtig ist das Kalkül, das hinter seinen Attacken steckt. Seehofers Angriffe sind ein Eigentor, sie tragen weder zur Versachlichung, noch zur Lösung der bestehenden Probleme bei. Sondern sie hinterlassen den Eindruck, dass da jemand die Mini-Agenda der fremdenfeindlichen Rechten übernehmen will – „copy and paste“ sozusagen, kopieren und einfügen. Das wiederum bestärkt viele darin, beim Original zu bleiben oder dorthin zu wechseln. Die AfD wird sich über so viel Schützenhilfe freuen. Zumal ihr sowieso egal ist, wer bei ihr mitläuft. Hauptsache, es sind viele.

Mit der Methode Seehofer integriert man den rechten Rand somit keinesfalls. Was wiederum nicht bedeutet, dass nicht um den richtigen Weg in der Flüchtlingspolitik gestritten werden darf. Das muss die Politik sogar. Selbstverständlich müssen die Probleme, die der Ansturm der Flüchtlinge verursacht, klar benannt werden. Verschweigen hilft niemandem. Denn auch diejenigen, die den Kurs der Kanzlerin skeptisch oder kritisch sehen, müssen sich im demokratischen Parteiengefüge wiederfinden können. Nur muss nach der Betrachtung der Realitäten dann auch politisch der zweite Schritt erfolgen - nämlich der des Handelns. Das ist der Unterschied zur AfD, deren Politik vor allem aus Parolen besteht. Nur wer um Lösungen ringt und handelt, grenzt sich ab und nimmt den Rechten den Wind aus den Segeln. Der zeigt: Markige Worte allein nutzen nichts.

Ob der Höhenflug der AfD anhalten wird, hängt davon ab, ob Bund und Länder in den nächsten Monaten den Flüchtlingsstrom und die innenpolitische Lage gemeinsam in den Griff bekommen. Das wird schwierig, ist aber nicht unmöglich. Auch Angela Merkel weiß das. Sie ist mit ihrer Flüchtlingspolitik von allen Seiten massiv unter Druck geraten. Jetzt hat man den Eindruck, sie hat verstanden und will zurück in die Offensive. Gut möglich, dass der Auftrieb der AfD sie darin zusätzlich bestärkt hat.

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