Kommentar zur AfD-Konkurrenz: Die Partei der Elche

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Der ehemalige AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hat in Kassel eine neue Partei gegründet, die "Allianz für Fortschritt und Aufbruch". Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche. Dieser hinreißende Zweizeiler des Lyrikers F. W. Bernstein beschreibt am besten, was sich da zwischen der Alternative für Deutschland (AfD) und den Weckrufern um Ex-AfD-Chef Bernd Lucke abspielt.

Immer, wenn Mitglieder in großer Zahl ihrer Partei den Rücken kehren und eine neue Organisation gründen, ähnelt das Ehebruch und Eifersucht, Liebesentzug und Rosenkrieg. Die FDP weiß davon ein Lied zu singen, als ihr nach dem Koalitionsbruch 1982 der linksliberale Flügel abhanden kam. Die Verletzungen, die sich die SPD und ihr abtrünniger Vorsitzender Oskar Lafontaine zufügten, sind bis heute nicht verheilt.

Bei der AfD und der ALFA-Konkurrenz ist das nicht anders. Schon bei Luckes Abgang wurden von beiden Seiten polemische Töne angeschlagen, die sich nun, nach der Gründung der neuen Partei, noch verschärfen werden.

Dahinter stecken allerdings nicht nur persönliche Verletzungen, sondern es ist auch die Erkenntnis, dass die Erfolgsaussichten von nun zwei Parteien eher gering sind. Die Euroskeptiker um Professor Lucke und die Nationalkonservativen wie Frauke Petry mochten für eine Weile gemeinsam Erfolg haben. Nun aber fehlen der AfD seriöse und kompetente Köpfe.

Und den Abtrünnigen bei ALFA fehlt der Zugang zum Wählerpotenzial der Pegida-Freunde, Staatsverdrossenen und Rassisten, das zuletzt von der Petry-AfD bedient und besetzt wurde. Allein mit Euro-Kritik aber wird es schwer, Wahlen zu gewinnen. Schon gar nicht in Zeiten, da sich auch in den etablierten Parteien zunehmend Unbehagen über die Rettungspolitik der vergangenen Jahre breitmacht.

Lesen Sie dazu auch:

- Interview mit Ex-AfD-Chef: Lucke gründet neue Partei in Kassel

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