Die Partei frisst ihren Gründer

Kommentar zur Krise der AfD: Auf dem Weg zur Sekte

Die Alternative für Deutschland (AfD) steckt in einer tiefen Krise, die Führungsmitglieder zerstreiten sich immer weiter. Dazu ein Kommentar unseres Korrespondenten Werner Kolhoff.

Der „Weckruf“ von Bernd Lucke ist in Wahrheit die Totenglocke für die AfD. Es geht jetzt nur noch darum, ob sie in einem Stück oder in mehreren Teilen beerdigt wird. Warum gelingt es Rechtskonservativen nie, sich erfolgreich parteipolitisch zu organisieren? Weil man eine solche Partei in Wahrheit nicht braucht. Weil es nicht das eine Thema gibt, das ein paar Protestwahlen überdauern würde.

Man sieht das am Euro. Mal ist die Lage besser, mal schlechter. Damit kommt man nicht dauerhaft über fünf Prozent. Die Ausländer? Ja, da sitzen die Vorbehalte tief. Aber nur in Teilen des Landes. Die innere Sicherheit? Sie ist ein Saisonproblem. Familie? Das alles ist bei den schon vorhandenen konservativen Parteien, bei Union und FDP, besser aufgehoben.

Die AfD hätte nur dann eine Mini-Chance, die vielen Nicht- und Protestwähler zu binden, wenn sie ein gemäßigtes konservatives Profil finden würde und Personal anbieten könnte, das seriös wirkt. Doch das aktuelle Bild der AfD ist inhaltliches wie personelles Chaos. Es geht nur noch um Animositäten und um Macht.

Die Partei frisst ihren Gründer, den Herrn Professor Lucke, der freilich nicht begreift, dass er allein auch nicht wählbar ist. Und sie frisst ihre Kinder, von Alexander Gauland bis Frauke Petry, die nicht sehen, dass sie mit ihrem Liebäugeln für Pegida im politischen Abseits agieren. Das braucht in Deutschland niemand, das kann weg. Mag der Sektenbeauftragte sich um die Reste kümmern.

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