Kommentar zur Anklage gegen Deutsche Bank-Vorstand: Frage der Moral

In München hat der Prozess gegen fünf Topmanager der Deutschen Bank bekommen. Einer von ihnen ist Jürgen Fitschen. Es geht um die Pleite des Medienkonzerns Kirch und die Rolle der Deutschen Bank. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenredakteurin Martina Hummel.

Kann ein angeklagter Bankvorstand wie Jürgen Fitschen im Amt bleiben? Rechtlich gilt bis zur Verurteilung für ihn die Unschuldsvermutung. Deshalb stellt sich diese Frage jetzt nicht. Bankintern wird niemand an seinem Stuhl sägen. Auch Vorgänger Josef Ackermann behielt als Angeklagter im Mannesmann-Prozess den Vorstandsvorsitz.

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Zudem sind die Vorwürfe gegen Fitschen schwächer als bei den anderen Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von den falschen Angaben ehemaliger Vorstandskollegen im Kirch-Prozess gewusst, aber nichts dagegen unternommen zu haben. Von Mitläufertum ist die Rede, von einem gemeinsamen Tatplan, von vagen, in sich nicht schlüssigen Aussagen. Allerdings ist bislang nicht völlig geklärt, inwieweit Fitschen, der 2002 nicht im Vorstand saß, eingeweiht war in den Fall Leo Kirch, in die umstrittene Aussage des damaligen Vorstands Rolf Breuer. Es sind diese Unklarheiten, die geklärt werden müssen. Rechtlich gibt es keinen Grund, jetzt Fitschens Kopf zu fordern.

Moralisch sollte sich die Vorstandsriege aber die Frage stellen, ob mit den Altlasten ein Neuanfang der Deutschen Bank möglich ist.

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