Leben in der Metropole

Kommentar zur Armut in Deutschland: "Stadtluft macht nicht nur frei"

Tibor Pézsa über die neue Armuts- Studie

Das Leben in der Metropole kann auch Arme ärmer machen. Die Regional- und Sozialpolitik muss zielgenauer werden - ein Kommentar von Tibor Pézsa.

Was nützt einem die Erkenntnis, dass die Durchschnittstemperatur angenehm ist, wenn die Füße im Backofen liegen und der Kopf im Eisfach? So ist das mit Statistiken: Ihre Zahlen mögen unbestreitbar sein. Doch Sinn machen sie deswegen noch lange nicht.

So ist es gut, dass die Forscher des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft in Köln nicht nur die Einkommen in den Regionen verglichen haben. Sie haben diese auch ins Verhältnis zu den Preisen gesetzt.

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-Städter sind mehr von Armut bedroht

Siehe da: Der arme Ostdeutsche ist plötzlich nicht mehr so arm. Arm sind nun die Städter, jedenfalls im Vergleich zu den Landbewohnern. Wer von Zeit zu Zeit den deutschen Osten bereist, der kann nur bestätigen: Ob in Bautzen oder Prenzlau, in Rostock oder Chemnitz – ja selbst in Dresden lebt’s sich nicht nur gut, sondern auch günstiger als in Hannover, Wiesbaden und erst recht in Frankfurt oder München. Arm sein ist relativ.

Aber auch bei Städtern und auf dem Land muss man genau hinschauen. Besser geht’s jedenfalls Einheimischen und denen, die in der Familie zusammenhalten und die einen Job haben. Schlechter geht’s Alleinerziehenden und manchen Alleinstehenden, Arbeitslosen und Ausländern. Für die Politik bedeutet dies: Ein Vierteljahrhundert nach der deutschen Einheit muss endlich Schluss sein mit dem Ost-West-Denken. Der Soli muss weg. Eine zielgenauere Regional- und Sozialpolitik muss her.

Stadtluft macht nicht nur frei. Arme kann sie ärmer machen.

Email an den Autor: tpa@hna.de

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