Kommentar zu Aschermittwoch und Fastenzeit: "Es geht um Sinn"

Das Interessante an der Fastenzeit ist weniger das, was einer in seinem Leben ändern will. Es ist das Leben, welches einer lebt, ohne es zu wollen.

Keinen Alkohol, keine Süßigkeiten, kein Smartphone? Mehr Sport, weniger Fleisch, mehr lesen, weniger Fernsehen, mehr Radfahren? Der Tugendkatalog ließe sich endlos verlängern. Es ist das Grundrauschen unserer Zeit: Ständig sollen und wollen wir dies oder das besser machen oder haben. Warum auch nicht?

Wer aber die 40 Fastentage nur als Anlass nähme, eine permanente Selbstoptimierung noch zu steigern, der würde den Sinn dieser Tage verfehlen. In der Fastenzeit geht es nicht um Optimierung. Es geht um Sinn.

Der aus Korea stammende und in Berlin lehrende Philosoph Byung-Chul Han hat beschrieben, wie der Mensch in der modernen Höchstleistungsgesellschaft sich selbst ausbeutet, in nur scheinbarer Freiheit. Die Grenze zwischen gesundem Leben und Gesundheitsterror ist schmal. Schritte zählen und Schlafrhythmen überwachen? Turnübungen online dokumentieren?

In seinem Büchlein „Duft der Zeit“ führt Han den rasenden Stillstand unserer modernen Gesellschaft vor. Höchstleistung paart sich mit Sinnarmut. Totale Erschöpfung garantiert. Der Philosoph setzt dagegen die Kunst des Verweilens. Sie besteht vor allem im freundlichen Wahrnehmen dessen, was ist, vor allem in der Natur. Hier, in den Zwischenräumen zwischen Supererlebnissen, Traumzielen und optimierten Körpern, jenseits von falschen Facebook-Freunden und nur scheinbarer Freiheit verbirgt sich demnach das andere Leben, das einfache, das bessere.

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