Kommentar zum Asylkompromiss: Keine Zeit für Tricks

Der erbärmliche Streit zwischen den Koalitionspartnern in Berlin hat lange genug genervt. Jetzt mussten die Regierungsparteien liefern, sagt unser Berliner Korrespondent Hagen Strauß.

Nach dem Gemotze und dem Gerede vom Koalitionsbruch sind die Gesprächsrunden der drei Parteivorsitzenden von CDU, SPD und CSU gestern im Kanzleramt auch eine Art Klimagipfel gewesen. Die Stimmung war stets mies. Doch diesmal scheint den Dreien von der Koalition klar gewesen zu sein, dass keine Zeit mehr ist für parteitaktische Spielchen und Geschacher.

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Denn der Dauerstreit bei Schwarz-Rot hat zu einem erheblichen Vertrauensverlust vieler Bürger geführt. Das ist ungefähr das Letzte, was man in dieser schwierigen Lage gebrauchen kann. Die Koalition krankt eben auch daran, dass das verlässliche Miteinander zunehmend an Schwindsucht leidet. Nicht nur bei den Führungskräften. In der zweiten Reihe ist das inzwischen schon genauso.

Nun also die Einigung. Unter anderem soll der Familiennachzug für syrische Flüchtlinge doch für zwei Jahre ausgesetzt werden. Vom Ergebnis her hätte man das auch früher haben können. Aber sei es drum. Ob die Maßnahme tatsächlich einen wirksamen Beitrag dazu leisten wird, den Flüchtlingsandrang einzudämmen, muss sich noch zeigen. Der Schlüssel zur Lösung des Problems ist das jedoch keineswegs. Der Schlüssel liegt nach wie vor in Europa und in den Herkunftsländern der Flüchtlinge.

Viel wichtiger dürfte den Koalitionären daher sein, dass sie endlich wieder ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben. Das war bitter nötig. 

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