Kommentar zur Aufarbeitung des Libor-Skandals: Pi mal Daumen

Die Deutsche Bank steht laut Medien in der Affäre um die Manipulation des Zinssatzes Libor kurz vor einer milliardenschweren Einigung mit den USA und Großbritannien. Ein Kommentar dazu von HNA-Redakteur Tibor Pézsa.

Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? So lässt Bertolt Brecht seinen Helden Mackie Messer in der Dreigroschenoper fragen. Heute, über achtzig Jahre später, lässt sich dieser Spruch mühelos steigern: Was ist das Gezocke mit Kreditausfallwetten, Derivaten, Hebel- und anderen sogenannten Finanzprodukten gegen das Manipulieren des Liborsatzes?

Die Giftpapiere der Finanzindustrie sind zwar gemeingefährlich und haben bekanntlich schweren Schaden angerichtet. Aber die Manipulation eines Richtwertes internationaler Finanzgeschäfte - das ist ein so weit reichendes Verbrechen, dass nicht einmal die Schadenssumme jemals restlos geklärt werden kann. Auch deswegen nicht, weil viele Geschädigte wahrscheinlich immer noch als eine Art Naturgesetz missverstehen, was in Wirklichkeit böswillig herbeigeführter Schaden ist.

So sind die 1,4 Milliarden Euro, welche die Deutsche Bank dem Vernehmen nach an britische und amerikanische Aufsichtsbehörden zahlen will, um aus der Sache herauszukommen, für sie nur eine Schadensbegrenzung Pi mal Daumen. Die Summe dürfte jedenfalls geringer sein als jener Schaden, mit dem die Deutsche Bank rechnen müsste, wenn die Sache über die dubiosen Geschäfte ihrer vormaligen Mitarbeiter in London hinaus untersucht würde.

Aus europäischer Sicht bleibt die Frage, warum die überfällige Disziplinierung der Finanzindustrie im anglo-amerikanischen Raum sehr viel besser gelingt als in Europa.

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