Stefan Vetter über den Prozess

Kommentar zur Aussage von Beate Zschäpe: Hörig und hilflos?

Die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess hat nach zweieinhalb Jahren Prozessdauer eine Stellungnahme verlesen lassen: Sie bestreitet jede Beteiligung an der Mordserie der Terroristen. Dazu ein Kommentar von Stefan Vetter.

War das nun die spektakuläre Wende im Prozess um die Gräueltaten des braunen Terrorkommandos NSU? Dass die Überlebende des Trios, Beate Zschäpe, ihr Schweigen nach mehr als zweieinhalb Jahren gebrochen hat, kam zuletzt unerwartet. Aber was Zschäpe sagte, oder korrekter, sagen ließ, ist grotesk und weit davon entfernt, wirklich Licht in die Verbrechen zu bringen.

Die Angeklagte inszenierte sich als dumme Nazi-Braut, hörig und hilflos, ohne Kraft, dem braunen Feldzug Einhalt zu gebieten. Dabei hätte ein Anruf von ihr bei der Polizei gereicht, um die Mordserie zu beenden. Und warum hat Zschäpe diese Erklärung nicht schon im Jahr 2013 abgegeben, als der Prozess begann? Die Antwort ist naheliegend: Mit der Strategie des Schweigens ist sie krachend gescheitert. Nach Dutzenden Zeugenbefragungen verdichteten sich die Indizien, dass sie ein Aktivposten in dem rechten Spuk war. Mit ihrer Aussage hat Zschäpe nur Schutzbehauptungen geliefert. Sie spekuliert auf Strafmilderung.

Die Strukturen um den NSU bleiben ungeklärt. Doch da war auch der „Thüringer Heimatschutz“, in dem der NSU seine ideologische Basis fand. Da war der Thüringer Verfassungsschutz, der Zschäpes Kumpane Böhnhardt und Mundlos als potenzielle V-Leute betrachtete. Dazu kein Wort von ihr. Etliche Leute außerhalb des Gerichtssaals dürften deshalb gestern zufrieden mit ihr gewesen sein.

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