Kommentar zu den Ausschreitungen in Ferguson: Ein Fanal für die USA

Ullrich Riedler über Obamas Versäumnisse

Die US-Kleinstadt Ferguson im Bundesstaat Missouri kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Tod eines schwarzen Teenagers, der von Polizisten erschossen worden war, halten Proteste und Ausschreitungen schon seit Tagen an. Der Gouverneur hat die Nationalgarde eingesetzt. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Ullrich Riedler.

Wird die Kleinstadt Ferguson zum Fanal für eine in die Knie gegangene Großmacht? Vieles deutet darauf hin. Wieder sehen wir seit Tagen die Bilder vom Zorn der Diskriminierten, die sich nach tödlichen Polizeischüssen auf einen Schwarzen erheben. Dass nun auch noch die Freiheit der Presse auf der Strecke bleibt, nachdem unser USA-Korrespondent und andere Journalisten vor Ort vorübergehend festgenommen wurden, muss die liberalen Gründerväter der USA im Grabe rotieren lassen.

Was ist los in Amerika? Das Land scheint geistig, wirtschaftlich und politisch am Boden. Optimismus und Dynamik, beides Grundpfeiler, die Amerika stets Halt und Orientierung gaben, gehen von der einstigen Supermacht nicht mehr aus. Präsident Barack Obama hatte anfangs noch mit beseelter Rhetorik und großer Emphase den Aufbruch auch zu neuen Beziehungen zur islamischen Welt gepredigt.

Dabei wären gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen im Inneren viel wichtiger gewesen. Denn hier kommen immer wieder die alten Geister hoch: Neben den Folgen der horrenden Staatsschulden und der geringen Innovationsfähigkeit vor allem ein Rassismus, den die Amerikaner mit ihrem ersten Mann im Staat überwunden glaubten.

Doch zunächst muss man den Brandherd von Ferguson befrieden. Obama stände es dabei nicht schlecht an, endlich selbst vor Ort zu sein, um ein Zeichen zu setzen. Sonst wird man am Ende seiner Amtszeit auf die Frage nach der amerikanischen Reformfähigeit sagen müssen: No they can’t.

Schreiben Sie eine Email an den Autor: rie@hna.de

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