Kommentar zur Balkan-Konferenz: Endlich Ruhe?

Heute endet in Wien die große Westbalkan-Konferenz, die von der Einsicht in die Notwendigkeit getragen wurde, das friedliche Zusammenleben zu fördern. Dazu ein Kommentar unseres Brüsseler Korrespondenten Detlef Drewes.

Das Fußballspiel stellt ein großartiges Symbol dar: Im Wiener Austria-Stadion tritt ein Politikerteam aus Südosteuropa gegen Österreicher und Slowenen an. „FC Future EU gegen FC EU“ nennt sich das Projekt, mit dem die große Westbalkan-Konferenz heute Abend abgeschlossen werden soll.

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Tatsächlich hat sich nach Jahrzehnten des Krieges, der ethnischen Säuberungen, derVerbrechen gegen die Menschlichkeit in den Balkan-Ländern so etwas wie Einsicht breit gemacht. Die Menschen sind der Grenzstreitigkeiten müde und wollen die durch Waffengewalt gezogenen Linien lieber wieder aufheben und ihre Länder in den Armen der großen europäischen Familie aufgehen sehen. Der historische Durchbruch am Brüsseler Verhandlungstisch zwischen Serbien und dem Kosovo steht dafür.

Viele Jahre haben die Vertreter der früheren jugoslawischen Republiken ihre Auseinandersetzung und ihre historische Aufarbeitung bei den Vermittlungstreffen fortgesetzt. Inzwischen wissen alle, dass die EU ihre Zukunft ist – egal wie unterschiedlich weit weg sie von diesem Beitrittsziel noch sein mögen. Doch für das Zusammenleben der Menschen gibt es keine Alternative.

Was nun kommen muss, sind konkrete Aktionen. Es ist nicht mehr die Politik, die den Fortgang der Entwicklung bestimmt. Jetzt wird man die Fragen vor Ort – vom Verkehr über die Telekommunikation bis zur Wasserversorgung – zu lösen haben. Europas Engagement ist dabei nicht nur geopolitisch begründet. Natürlich will die EU verhindern, dass Moskau seinen Einfluss in dieser Region wieder geltend macht. Aber viel wichtiger erscheint in den europäischen Hauptstädten derzeit, dass eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den Westbalkan-Ländern auch ein Beitrag zum Stopp der Flüchtlingswelle sein dürfte. Weder das Kosovo noch Albanien oder Montenegro sind weiter unsichere Herkunftsstaaten, mit denen sich ein Asylanspruch begründen lassen könnte.

Das wird die Brüsseler EU-Kommission auch im Herbst in ihrer Vorlage bestätigen. Wer den Status des Beitrittskandidaten tragen darf, muss mit allen Bevölkerungsgruppen auf seinem Boden und seinen Nachbarn in Frieden zusammenleben. Das ist für die Staaten auf dem Balkan vital, weil sie ihre Ärzte, Pfleger, Apotheker und Baufacharbeiter selber brauchen. Die EU wird sie - schon aus eigenem Interesse – darin unterstützen wollen und müssen.

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