Kommentar zur Stellungnahme des Ethikrates: Berechtigte Zweifel

Tibor Pézsa über die Stellungnahme des Ethikrates zur Organspende

Der Deutsche Ethikrat hat in Berlin die Stellungnahme "Hirntod und Entscheidung zur Organspende" vorgestellt . Ein Kommentar von HNA-Redakteur Tibor Pézsa.

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Niemand befasst sich gern mit dem eigenen Tod oder dem Tod des Ehepartners oder des Kindes. Doch Motorradfahrer können verunglücken, Familienväter mit dem Mountainbike gegen einen Baum fahren. Schwerste Schlaganfälle sind nicht selten, und manchmal muss man nur auf dem Weg zum Supermarkt an der falschen Ampel gestanden haben - und ringt wenig später auf einer Intensivstation mit dem Tod.

Wer sich nicht für oder gegen das Organspenden entscheidet, dem wird die Entscheidung abgenommen. Und zwar vom nächststehenden Angehörigen. Denn wenn eine Erklärung des Verletzten fehlt, muss der Angehörige den Ärzten sagen, wie es der Mensch auf dem OP-Tisch wohl gehalten hätte: Hätte er seine Organe gespendet? Das Ganze läuft unter Schock ab, unvorbereitet, in unentrinnbarem Horror.

Aber auch der Druck auf die transplantierenden Ärzte ist gewaltig. Manipulationen haben das gesamte System in Misskredit gebracht. Die Spenderzahlen sind rückläufig. Die Nachfrage nach Organen übersteigt das Angebot stark. Und irgendwann geht der Kampf ums Überleben des Patienten auf dem OP-Tisch über in die Vorbereitung der Organspende, die sogenannten organprotektiven Maßnahmen. Aber wann? Schon vor der Feststellung des Hirntodes?

Der Ethikrat äußert seine Sorge zu Recht. In diesem Feld voll widersprüchlicher Interessen, angesichts der existenziellen Not der Betroffenen, helfen nur Klarheit, Wahrheit und Information. Entscheiden muss jeder allein.

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